Pressemitteilungen

2018-01-15
Schule der Zukunft erleben

Wie kann ein Smartphone als mobiles Physiklabor genutzt werden? Welche neuen Formen des Lernens und Unterrichtens entstehen durch digitale Lehrmaterialien und was muss dabei beachtet werden? Warum setzen Lernateliers Ressourcen für individualisiertes Lernen frei und, weshalb bilden Lehrer sich nicht nur für, sondern mit digitalem Medieneinsatz fort? Dies sind nur einige der Fragestellungen, die im Themenbereich school@LEARNTEC behandelt werden. Er ist Teil der LEARNTEC – Europas Nummer 1 in digitaler Bildung – die vom 30. Januar bis 1. Februar 2018 in der Messe Karlsruhe stattfindet. Bereits zum fünften Mal ruft der Themenbereich Schulleiter, Lehrer, schulische Medienberater, Schulamtsleiter und Mitarbeiter auf Landes- oder Kreisebene nach Karlsruhe. Diese können sich bei mehr als 60 der insgesamt 300 Aussteller und in einer offenen Lernlandschaft zu den Möglichkeiten der Schule der Zukunft informieren. Zudem erfahren sie in der neu geschaffenen Maker‘s Arena, wie Technik den klassischen Unterricht bereichern kann.

Die LEARNTEC zeigt die Schule der Zukunft

„Digitale Kompetenz wird zunehmend mit klassischen Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben gleichgesetzt“, sagt Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH. „Auf der LEARNTEC erfahren die Besucher, welche Technologien und Methoden sich anbieten, um das Bildungskonzept ihrer Schule digital zu unterstützen. Sie erhalten konkrete Empfehlungen, wie digitales Lernen an unseren Schulen vermehrt Einzug halten kann und können sich zudem mit Kollegen über die aktuellen Entwicklungen austauschen.“

Die Bedeutung der LEARNTEC als Austausch- und Informationsplattform für die digitale Schulbildung zeigt sich an der Beteiligung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport. Erstmals ist das Ministerium mit einem Stand auf der LEARNTEC vertreten und inhaltlich am Schulprogramm beteiligt. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann: „Der digitale Wandel ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Gerade in der Bildung gewinnt das Thema mehr und mehr an Bedeutung. Angesichts der hohen Dynamik steigt bei allen Beteiligten auch der Bedarf nach Austausch und Information zu den verschiedenen Aspekten dieser Entwicklung. Hierfür bietet die LEARNTEC eine sehr interessante Plattform, die das Kultusministerium nutzen will, um eigene Konzepte und Strategien für den Schulbereich vorzustellen, Anregungen einzuholen und Netzwerke auszubauen.“

Panels und Diskussionsrunden zu aktuellen Fragen der digitalen Bildung

In einer offenen Lernlandschaft mit Werkstattcharakter, die unter anderem mit der Hochschule der Medien konzipiert wurde, erfahren die Besucher, wie digitale Lernszenarien aussehen. Täglich stattfindende Panel-Sessions verbinden Forschung und Wissenschaft mit den Erfahrungen von Schulpraktikern. Die Referenten erproben gemeinsam mit den Teilnehmern Lernsettings und suchen nach mobilen Lernraumlösungen. Themen sind unter anderem die digitale Bildungsplattform für Schulen in Baden-Württemberg, digitale Lehr- und Lernmittel als Enabler von effizientem und selbstorganisiertem Lernen in der Schule sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Rahmen von Industrie 4.0 in der Lehrerbildung am beruflichen Seminar Karlsruhe. Zudem gibt es täglich eine zentrale Diskussionsrunde, in der sich anerkannte Experten über die Digitalisierung der Schulbildung austauschen.

Maker‘s Arena zeigt erstmals 3D-Druck und Robotik

Informatorische Grundbildung, Problemlösen und Modellieren sind Schlüsselkompetenzen, die in der Schule zukünftig eine immer größere Rolle spielen werden. Technik kann dabei eine Neugestaltung und das Erzeugen neuartiger Aufgaben im Unterricht ermöglichen. Wie sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler diese Kompetenzen erwerben können, ist ein zentrales Thema der Maker‘s Arena. Die dort stattfindenden Workshops laden zum Mitmachen und Ausprobieren ein. Es wird unter anderem mit dem Mini-Computer Calliope programmiert und Coding und Robotik mithilfe eines iPads und LEGO Mindstorms präsentiert. Zudem zeigen Experten wie 3D-Druck funktioniert. Ein Workshop befasst sich mit dem, im deutschen Bildungskontext noch in den Anfängen steckenden, DesignThinkings. Das Konzept „Learners as Designers“ wird international bereits an vielen innovativen Schulen praktiziert – die Hohenloher Academy zeigt gemeinsam mit der INNOKI GmbH im Workshop „DesignThinking in der Schule“, wie diese Idee auch die deutsche Schullandschaft inspirieren könnte.

Partner und Begleitveranstaltungen

Partner von school@LEARNTEC ist das Netzwerk digitale Bildung. Dieses bietet Akteuren aus Schule, Hochschule und der Arbeitswelt eine Plattform zur Information und Vernetzung. Im Rahmen der LEARNTEC beschäftigen sich zudem zwei Begleitveranstaltungen mit der Schule der Zukunft. Am zweiten Messetag (31.1.) findet die Kommunale Fachtagung „Digitalisierung der Schulen - wichtige Bausteine" des Städtetages Baden-Württemberg, der Kommunalen Landesverbände, des Kultusministeriums und des Landesmedienzentrums Baden- Württemberg statt. Am dritten Messetag (1.2.) veranstaltet das Stadtmedienzentrum Karlsruhe seinen Medienkompetenztag unter dem Motto „Die Vorhersage: Heiter bis wolkig ... Leben & Lernen im Zeitalter intelligenter Clouds.“ Eingeladen sind alle Akteure des schulischen Bildungsbereichs sowie Interessierte. Anmeldungen unter www.lmz-bw.de.

2017-12-20
Das Gehirn – ein Netzwerk voller Möglichkeiten

Dr. Henning Beck ist Biochemiker, Neurowissenschaftler und Deutscher Meister im Science Slam. Am 1. Februar 2018 hält er auf der LEARNTEC seine Keynote „Lernst Du noch oder verstehst Du schon – der Weg des Wissens zu den Nervenzellen“. Im Interview erklärt er, wie Virtual Reality das Gehirn anspricht und warum virtuelle Klassenzimmer so wichtig sind. Dabei erläutert er die komplexe Wissenschaft stets unterhaltsam und verständlich.

Dr. Henning Beck - Neurowissenschaftler und Keynote-Speaker auf der LEARNTEC

Herr Dr. Beck – Wie speichert das Gehirn Informationen?

In der Architektur des Gehirns ist verborgen, was und wie wir denken können – also Informationen, Gedanken, Emotionen oder Ideen. Aber Informationen sind nicht „irgendwo“ im Gehirn vorhanden, es sind keine Objekte, die man in einem Regal ablegt und bei Bedarf wieder hervorholt. Bei Computern werden Datensätze auf der Festplatte gespeichert, im Gehirn ist Information ein Zustand, den das Gehirn annehmen kann. Es ist die Art und Weise, wie Nervenzellen miteinander verbunden sind und wie das Gehirn als Netzwerk aktiv ist. Und je besser sich das Netzwerk anpassen kann, desto besser kann das Gehirn lernen.

Woher weiß ich dann, welche Informationen vorhanden sind?

Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem Orchester: Wenn man von außen hineinschaut, kann man keine Musik finden. Sie wird jedes Mal neu erzeugt, wenn das Orchester spielt. Man sieht auch nicht, welche Musikstücke sie spielen können, bis sie anfangen. Ebenso wenig weiß man, was ein Gehirn alles denken kann, wenn man nur die Architektur, also das Netzwerk, anschaut.

Wie wandelt das Gehirn Informationen in Wissen um?

Wissen ist die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten und in Zusammenhänge zu stellen. Daten sind das einfachste Niveau und für sich genommen wertlos. Erst Informationen beschreiben einen Sachverhalt, und Wissen bedeutet, Informationen neu zusammenzustellen. Das heißt: Wenn ich Informationen verstehe, erhalte ich Wissen. Es ist die Fähigkeit, anhand von Informationen die persönliche Sicht zu verändern. Verstehen ist der Übergang von Information zu Wissen. Das heißt: Wenn man Wissen abfragt, fragt man auch das Verständnis ab.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Für einen Computer unterscheiden sich die Smileys :-) und :-( in einem Drittel der Daten. Doch für uns sind sie zu 100 Prozent unterschiedlich. Denn wir denken über die bloßen Zeichen hinaus, haben ein Konzept, eine Idee mit den Schriftsymbolen verbunden und damit genau dieses Konzept verstanden.

Wie können die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung für das Lernen genutzt werden?

Wenn man Wissen dauerhaft verankern will, darf man Lernende nicht in eine passive Rolle degradieren. Die meisten Vokabeln, die ich nur aus einem Vokabelheft auswendig gelernt habe, habe ich wieder vergessen. Wenn ich sie jedoch in einem Kontext gehört habe und sie zu einer Problemlösung beigetragen haben, hat sich das Erfolgserlebnis eingebrannt. Denn ich habe sie verstanden, nicht nur auswendig gelernt. Das Gehirn passt sich schnell an und kann das Wissen – die Vokabel – jederzeit abrufen.

Aber man kann nicht alles aus einem Kontext heraus lernen. Manche Dinge muss man einfach „pauken“.

Dann sollte aber die Frage am Anfang stehen: „Wozu brauche ich das?“ In der Schule steht diese wichtige Frage oft am Ende. Dann müssen die Schüler erst etwas auswendig lernen und erfahren dann, wozu es nützlich ist. Wenn man ihnen zuerst den Grund liefert, warum sie etwas Bestimmtes lernen sollen, kann man den Lernerfolg steigern.

Studien haben gezeigt, dass sich Erinnerungen manipulieren lassen. Wie sollen wir mit einem so fehleranfälligen Gehirn lernen und Dinge behalten?

Irren ist nützlich. Ein falsches Gedächtnis ist besser als gar keins. Viele Menschen denken, das Gedächtnis habe die Aufgabe, die Vergangenheit korrekt wiederzugeben. Doch das ist nicht so. Das Gedächtnis soll sicherstellen, dass wir uns im Hier und Jetzt richtig verhalten. Dazu muss das Gehirn Erinnerungen verändern, verfälschen und sogar vergessen. Interessanterweise sind die Areale, die unsere Erinnerung verzerren, die gleichen, die unsere Zukunft planen und uns ermöglichen, andere Perspektiven einzunehmen. Wäre das Gedächtnis perfekt, wäre es so statisch, dass man sich nicht die Zukunft vorstellen könnte. Man kann sowieso nur die Gegenwart beeinflussen, deshalb ist Zeitempfinden eine Erfindung des Gehirns. Kurze intensive Momente werden in der Vergangenheit länger, lange und langweilige Passagen werden in der Erinnerung ganz kurz.

Wie lassen sich Lernprozesse unterstützen und beschleunigen?

Um etwas dauerhaft zu behalten, muss man sich Lösungen selbst erarbeiten. Gute Wissensvermittlung ist wie ein Weihnachtsgeschenk: Man schreibt einen Wunschzettel, dann packt man die Geschenke ein, der andere packt sie aus, und dann findet man das Geschenk, das man sich gewünscht hat. Auf die Bildung übertragen heißt das: Der Lehrer oder Schulungsleiter stellt eine Frage oder Aufgabe und präsentiert die Antwort als verpacktes Geschenk. Die Schüler und Teilnehmer müssen das Geschenk selbst auspacken, also unterschiedliche Lösungsansätze ausprobieren und sich die Antwort selbst erarbeiten. Die Lehrkraft muss natürlich am Ende dafür sorgen, dass das Wissenspaket ausgepackt ist, die Lösung muss klar und robust kommuniziert werden und dann müssen auch Übungsaufgaben kommen. Man kann nicht einfach Wissen bereitstellen und hoffen, dass die Menschen es verstehen. Das wird der Art und Weise, wie wir lernen, nicht gerecht. Das wusste schon Goethe: „Erquickung hast Du nicht gewonnen, wenn es Dir nicht aus eigener Seele quillt.“

Dann könnten wir aber gar nicht aus den Fehlern und Erfahrung anderer lernen.

Eigene Fehler – vor allem bei schwerwiegenden Folgen – behält man natürlich besser im Gedächtnis, weil sie mit Emotionen verbunden sind. Aber man kann sich auch Verhaltensweisen von anderen abschauen. Aus den Fehlern anderer zu lernen ist gewissermaßen eine „negative Imitation“. Das abgeguckte Vermeidungsverhalten sitzt tief in uns drin. Wir orientieren uns an anderen Menschen, imitieren ihr Verhalten, denn es hat Vorteile, nicht jeden Fehler selber zu machen. Es gibt Regionen und Netzwerke im Gehirn, die für Imitationsverhalten verantwortlich sind, und diese Areale kann ich mit Negativbeispielen füttern. Natürlich funktioniert das auch über Gedankenexperimente. Sie sind nicht so intensiv, aber besser als nichts, denn das Nervennetzwerk reagiert auch darauf, wenn man es sich nur vorstellt.

Das stützt die These einiger Wissenschaftler, nach der das Gehirn nicht unterscheiden kann, ob man beispielsweise Klavier spielt oder nur daran denkt, Klavier zu spielen. In beiden Fällen sind die gleichen Areale aktiv. Dann müsste doch das Lernen mit Virtual Reality hervorragend funktionieren.

Lernen mit einer VR-Brille kann wie eine „echte“ Realität wahrgenommen werden. Der Lernende taucht in die Szene ein und nimmt sie als Wirklichkeit wahr – im Sinne von „Wirkung“. Das funktioniert allerdings nur bei einer sehr guten Technik mit wenig Verzögerung. Manchmal wird es einem schwindlig, weil die Systeme langsamer arbeiten als das Gehirn. Es reicht nicht aus, jemandem ein Handy auf die Nase zu setzen, das ist nur Spielerei. Und man hat immer einen Medienbruch.

Aber wenn etwa ein Azubi das Innenleben eines E-Motors verstehen oder gefahrlos eine Hochspannungsleitung reparieren will, sind diese virtuellen Realitäten doch sehr hilfreich?

Es gibt viele Anwendungen, bei denen zusätzliche Sinneskomponenten von Vorteil sind. Wenn ein Designer Büromöbel gestaltet, macht es einen deutlichen Unterschied, ob er nur mit 2D-Zeichnungen arbeiten oder mit 3D-Visualisierung tief in das Möbelstück eintauchen kann. Die Darstellung ist ganz anders. Schrauben sitzen eben dreidimensional im Stuhl drin.

Was können E-Learning-Anbieter von Gehirnforschung lernen?

Die besten Ergebnisse kann man beobachten, wenn mehrere Menschen am Lernen beteiligt sind und interagieren. Deshalb sind virtuelle Klassenzimmer oder Konferenzschaltungen besser als WBTs, bei denen sich die Lernenden das Wissen allein aneignen müssen. E-Learning-Tools werden immer produktiver. Doch die Annahme, die Lernenden könnten mit den neuen Medien schneller und mehr behalten, trifft nicht zu. Denn irgendwann nimmt man mehr auf, als man verarbeiten kann, und dann wirft das Gehirn wieder viel raus. Deshalb kann es sogar von Nachteil sein, wenn man zu schnell lernt. Besser ist pulsierendes Lernen, das heißt, manchmal muss man beschleunigen und intensiv lernen, dann verdauen, dann auf höherem Niveau weitermachen. Man kann also nicht nur ein immer gleiches, hohes Lerntempo vorgeben. Manches kann man komprimiert anbieten, muss den Teilnehmern aber auch die Möglichkeit geben, das Gelernte in anderen Zusammenhang zu stellen, also zu reflektieren. Aufnehmen, verarbeiten und in einer anderen Form artikulieren, sodass es jemand anderes versteht – mehr muss ein Gehirn nicht können.

Wird künstliche Intelligenz jemals das menschliche Gehirn an Lern- und Leistungsfähigkeit überholen?

Ich weiß zwar nicht, was in 300 Jahren ist, aber zu unseren Lebzeiten wird das nicht passieren. Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist missverständlich, denn es handelt sich um eine reine Mustererkennung. Computer können Schach, Go und Poker lernen, Bilder und Gesichter erkennen, Big Data auswerten, etc. Doch Intelligenz ist nicht alles, denn der Mensch kann aus seinem Wissen neue Ideen entwickeln, mit anderen austauschen und kooperieren. Deshalb wird ein Computersystem das Gehirn so schnell nicht in den Schatten stellen.

Herr Dr. Beck – vielen Dank für das interessante Interview.

Das Interview führte Kirsten Seegmüller, freie Journalistin, im Auftrag der Karlsruher Messe-und Kongress GmbH.

Bildnachweis bei Verwendung des Pressefotos von Dr. Henning Beck: ©Marc Fippel

2017-12-01
Interview mit Charles Jennings, Co-founder des 70:20:10 Institute

Am 30. Januar 2018 hält Charles Jennings, Co-founder des 70:20:10 Institute (UK), auf der LEARNTEC seine Keynote „Exploiting Learning in the Workplace: informal learning and the 70:20:10 model“. Im Interview erklärt er, warum Leistungsträger vor allem aus ihrer eigenen Arbeit und ihren Erfahrungen lernen und, in einem zweiten Schritt, von Kollegen, Communities sowie der Familie. Er appelliert an Manager und HR-Verantwortliche sich auf Performance Support zu konzentrieren.

Am 30. Januar 2018 hält Charles Jennings, Mitbegründer des 70:20:10-Instituts, auf der LEARNTEC seine englische Keynote „Exploiting Learning in the Workplace: informal learning and the 70:20:10 model“. Im Interview erklärt er, warum Leistungsträger vor allem aus ihrer eigenen Arbeit und ihren Erfahrungen lernen und, in einem zweiten Schritt, von Kollegen, Communities und der Familie. Er appelliert an Manager und HR-Verantwortliche sich auf Performance Support zu konzentrieren.

Herr Jennings, was steckt hinter Ihrem 70:20:10-Konzept?

Die Zahlen stehen für drei unterschiedliche Lernformen, die sich aber oft überlappen: Die ‚70‘ steht für Lernen durch Arbeit – das beinhaltet Erfahrungen, Praxis und Reflexion. Die ‚20‘ steht für Lernen von und mit anderen – etwa Kollegen, Vorgesetzten, Leistungsträgern, Mitgliedern von Communities oder dem Partner und Kindern. Die ‚10‘ ist das formelle Lernen, dazu gehören unter anderem Kurse, E-Learning und Bücher. Das Modell ist eine Struktur, innerhalb derer sich Lernen und Entwicklung, das ‚Learning & Development‘ (L&D) an den Geschäfts- und Organisationszielen ausrichtet.

Warum glauben Sie, dass informelles Lernen wichtiger ist als formelles Lernen?

Es ist erwiesen, dass wir mehr aus unserer eigenen Arbeit und von Arbeitskollegen lernen als von formellen Schulungen. Professor Andries de Grip beispielsweise veröffentlichte im Juni 2015 einen Report zur „Bedeutung von informellem Lernen am Arbeitsplatz“. Er geht davon aus, dass 98 Prozent der Zeit, die wir auf das Lernen verwenden, informell ist. Und je näher das Lernen am Einsatzort stattfindet, desto effektiver ist es.

Welche Themen eignen sich für informelles beziehungsweise formelles Lernen?

Ich habe bisher noch kein einziges Thema gefunden, das sich nicht dafür eignet. Da alles Lernen in einem Kontext erfolgt, liefert das 70:20:10-Modell die Möglichkeit, sich kontextbezogen auf die Performance zu fokussieren. Wenn man beispielsweise herausragende Musiker, Designer oder Architekten betrachtet, haben fast alle mit formellem Lernen begonnen. Aber Qualifikationen allein bringen weder Höchstleistung noch Kreativität hervor. In meiner Zeit als Chief Learning Officer bei der Nachrichtenagentur Reuters habe ich nicht einen einzigen Kandidaten nur aufgrund seiner Qualifikationen eingestellt.

Lernen wir in einer ruhigen Umgebung nicht besser, wenn wir uns auf formelles Material konzentrieren und es Schritt für Schritt durcharbeiten können?

Ja, manchmal schon. Wenn wir Zeit haben, uns ohne Ablenkung auf neue Ideen und Informationen zu konzentrieren, ist das hilfreich. Aber in der Medizin beispielsweise haben Studien gezeigt, dass längere Erfahrung und Praxis zu weniger Komplikationen führt. Lernen im täglichen Arbeitsablauf hat einen sehr großen Effekt.

Aber wer eine Fremdsprache lernen will, kommt um ein strukturiertes Grammatik- und Vokabeltraining nicht herum, oder?

Wenn man mit einer neuen Fremdsprache beginnt, ist es natürlich wichtig, Grammatikstrukturen zu verstehen und eine gewisse Anzahl an Vokabeln zu kennen. Aber ein bestandener Test macht noch keinen guten Linguisten. Wir sollten das Speichern im Kurzzeitgedächtnis nicht mit Lernen verwechseln. Um ihre Prüfungen zu bestehen und ihren Uni-Abschluss zu bekommen, stopfen sich Sprachstudenten das Gehirn mit Informationen voll. Aber was bleibt nach drei oder sechs Monaten übrig? Ohne regelmäßige Praxis und Anwendung vergisst man das meiste, das man ‚gelernt‘ hat, wieder.

Welche Lernkonzepte treffen Sie in den Unternehmen an?

Viele Unternehmen planen ihr L&D mit einer – wie ich es nenne – kurszentrierten Mentalität, wo alles in Kurse, Programme und Curricula gepackt wird. Auf informelles Lernen wird kaum Wert gelegt. HR- und Weiterbildungsverantwortliche sehen ihre Aufgabe vor allem darin, Content und Kurse zu planen, zu entwickeln und zu verteilen. Aber wir wissen, dass Höchstleistung nicht nur von formalem Wissen und Fertigkeiten abhängt, sondern auch vom richtigen Arbeitsumfeld und den richtigen Arbeitsinstrumenten. Manche Unternehmen schaffen den Einstieg in die Wissensära, doch die meisten E-Learning-Angebote sind noch viel zu contentlastig. Sogar das Micro-Learning und die Learning Nuggets, die sogenannten Wissensbissen, stellen den Content in den Mittelpunkt und basieren auf Informationen und ‚Wissenstransfer‘.

Was haben Sie gegen den Begriff ‚Wissenstransfer‘?

Wir können nicht wirklich Wissen transferieren. Man kann anderen helfen, ihr eigenes Wissen aufzubauen, aber es ist kein Eimer, den man weiterreicht. Das Wissen von Leistungsträgern ist größtenteils implizit. Es kann demnach nicht ‚erfasst und verpackt‘ werden. Diese Menschen treffen ständig Entscheidungen innerhalb eines stetig wechselnden Umfelds. Wir müssen unser Denken und Handeln weniger dem Wissenstransfer widmen als vielmehr der Unterstützung von Mitarbeitern in ihren täglichen Arbeitsabläufen. Das bedeutet eine Verlagerung von „course to ressource“.

Wie sollten Arbeitsplätze strukturiert und gestaltet werden, um ein effektives Lernen zu unterstützen?

Man braucht nicht unbedingt eine physikalische Veränderung von Gebäuden und Arbeitsplätzen. Man muss stattdessen an der Lernkultur der Organisation arbeiten. Ein Beispiel ist das Lernen aus Irrtümern und Fehlern. Die Luftfahrt beispielsweise ist deutlich sicherer als die Medizin, denn sie pflegen eine Kultur, aus Fehlern zu lernen. Wenn Piloten einen Fehler machen, berichten sie darüber, denn sie sind gesetzlich vor Entlassung geschützt. Die Fluglinien teilen ihre Reports und Erkenntnisse mit anderen, sodass jeder davon profitieren kann.

Wie können Lernprozesse in die Geschäftsprozesse integriert werden, ohne die Arbeit zu stören?

Indem man beispielsweise die Mitarbeiter identifiziert, die verstanden haben, was sie tun, und ihre Aufgabe deshalb besonders gut erfüllen. Dann sollte man Hilfsprogramme einrichten, damit andere eine ebenso gute Leistung erbringen, sogenannte Performance Support Tools. Ich habe schon Situationen erlebt, in denen Mitarbeiter trotz eines 12-Wochen-Trainings ihre Arbeit nicht erledigen konnten. Sie brauchten mindestens ein weiteres Jahr, um das Leistungsniveau zu erreichen. Als wir einen bildschirmbasierten Performance Support einführten, steigerte sich ihre Leistung sofort um 20 Prozent.

Kennen HR-Manager Ihre Methode?

Einige ja, aber leider verstehen viele HR-Experten nicht, wie Lernen und Leistung funktionieren. Das gehört nicht zu ihren Kernkompetenzen. Wie vielen Managern fällt es ihnen oft schwer, zwischen ‚lernen‘ und ‚schulen‘ zu unterscheiden – sie betrachten ‚lernen‘ als etwas, das im Klassenzimmer stattfindet. HR-Manager sind oft blind, wenn es um die Möglichkeiten, wie Mitarbeiter am Arbeitsplatz lernen und sich weiterentwickeln können, geht.

Konzerne und manche KMU sagen, sie könnten es sich finanziell nicht leisten, Lernen am Arbeitsplatz anzubieten. Was sagen Sie ihnen?

Sie können es sich nicht leisten, es NICHT zu tun. Es wird extrem viel Geld für formelle Trainings wie etwa Managementschulungen verschwendet. McKinsey hat herausgefunden, dass die meisten Führungskräftetrainings nicht funktionieren, weil der Kontext fehlt. Und solche Programme sind teuer. Unter den mehr als 200 Organisationen, die ich bisher betreut habe, ist nicht eine einzige, bei der die Einführung der 70:20:10-Methode zu Mehrkosten geführt hat.

Bauen Sie Soziale Netzwerke mit ein? Und in welchen Teil des 70:20:10 Models würden Sie diese einordnen?

Ja, Soziale Netzwerke sind sehr wichtig – vor allem für Wissensarbeiter. Je besser Menschen vernetzt sind, desto mehr Leistung können sie erbringen. Wir lernen ständig von anderen in unserer täglichen Arbeit. Studien haben ergeben, dass, gemessen an ihrer Leistung, die oberen 20 Prozent der Manager tendenziell stärkere und vielseitigere Netzwerke betreiben als ihre weniger leistungsfähigen Kollegen.

Haben Mitarbeiter beim informellen Lernen mehr Einfluss darauf, was und wie sie lernen?

Ja, auf jeden Fall. Aber es gibt auch Einschränkungen. Was unabhängige Lerner zu lernen haben, wird von ihrer Arbeit bestimmt. Das heißt, ihre Vorgesetzten haben einen Einfluss darauf, was und wie oft ihre Mitarbeiter lernen. Verständnis und Führung durch das Management sind wichtig bei fast jeder Form informellen Lernens.

Sind Mitarbeiter gewillt und kompetent genug, um das Lernen in die eigenen Hände zu nehmen?

Ja, das sind sie. Wir dürfen nicht vergessen, dass Mitarbeiter erwachsene Menschen sind. Eines der Probleme liegt darin, dass viele L&D- und HR-Experten sie als ‚Lerner‘ betrachten und dabei ‚Schüler‘ oder gar ‚Kinder‘ meinen. Die meisten Erwachsenen wissen sehr wohl, welche Fähigkeiten sie benötigen.

Herr Jennings – vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Kirsten Seegmüller, freie Journalistin, im Auftrag der Karlsruher Messe-und-Kongress GmbH.

Bildnachweis bei Verwendung des Pressefotos von Charles Jennings: ©Duntroon Consultants

2017-10-27
Bildung als Motor der Digitalisierung

Die Digitalisierung nimmt unaufhaltsam Fahrt auf und sorgt für einen tiefgreifenden Wandel in allen Lebensbereichen – Tätigkeitsfelder und Berufsbilder verändern sich. Digitale Bildung spielt hierbei eine große Rolle, sie ist der Motor der Digitalisierung. Die LEARNTEC – Leitmesse für digitale Bildung in Schule, Hochschule und der beruflichen Bildung – ist vom 30. Januar bis 1. Februar 2018 zum 26. Mal Bühne für aktuelle Trends und zukünftige Entwicklungen in der digitalen Bildung. Mehr als 7.500 Fachbesucher werden an den drei Messetagen erwartet.

Pressekonferenz zur LERNTEC 2018

„Das Lernen mit digitalen Medien ist heute in allen Bildungsbereichen relevant. Digitale Bildung ist zu einem Wachstumsmarkt geworden, der auch der LEARNTEC von Jahr zu Jahr mehr Aufschwung verleiht“, so Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH. „Erstmals belegt die LEARNTEC zwei Hallen und stellt damit mehr Ausstellungsfläche als jemals zuvor an der Messe zur Verfügung. Darüber freue ich mich sehr, liegt es uns doch am Herzen, das Angebot der Branche umfassend zu präsentieren.“

Mehr als 280 Aussteller aus 13 Nationen zeigen auf der LEARNTEC 2018 die neuesten Anwendungen und Programme für das Lernen mit IT. Von den größten E-Learning-Anbietern in Deutschland werden auf der kommenden LEARNTEC nahezu alle vertreten sein. Auf der Messe werden neben Hard- und Software auch Konzepte und Services vorgestellt. Es sind beispielsweise Lernmanagementsysteme (LMS), Lernportale, Autorentools, virtuelle Klassenzimmer und Lernprogramme zu sehen; aber auch Lösungen zu Talent Management, Performance Support, Online-Akademien und Anbieter von VR- und 3D-Lernwelten.

Erweiterte Start-up Area mit eigener Aktionsbühne

Die LEARNTEC bietet auch für den Nachwuchs der Branche ein optimales Umfeld. Aufgrund des großen Erfolgs in den vergangenen Jahren wurde die Start-up Area für die LEARNTEC 2018 noch einmal vergrößert. Insgesamt werden sich mehr als 20 junge Unternehmen dort präsentieren. Nach einer gelungenen Premiere auf der vergangenen Veranstaltung findet der Start-up Pitch auf einer eigenen Aktionsbühne statt. Teilnehmen werden die Unternehmen, die in der Start-up Area ausstellen. Diese treten in verschiedenen Kategorien gegeneinander an und haben wenige Minuten Zeit, ihre innovativen Konzepte einer Jury, die die Bereiche Start-up, Schule, Hochschule und Beruf vertritt, und dem Publikum zu präsentieren. Unterstützt wird der Start-up Pitch vom Hightech.Unternehmer.Netzwerk CyberForum und dem Deutschen Gründerverband.

Dass Digitalisierung im Schulalltag noch keine Rolle spielt, zeigt die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, die den Stand des digitalisierten Lernens in Deutschlands weiterführenden Schulen aus Sicht der Beteiligten untersucht. Schulleiter und Lehrer begrüßen zwar grundsätzlich die neuen Technologien, für einen pädagogisch sinnvollen Einsatz fehlt es jedoch an Konzepten, Weiterbildung und Infrastruktur. Die LEARNTEC widmet sich bereits zum fünften Mal der Schule der Zukunft und bietet hierfür den Themenbereich school@LEARNTEC an. In einer offenen Lernlandschaft mit Werkstattcharakter, die unter anderem mit der Hochschule der Medien Stuttgart konzipiert wurde, zeigen Experten beispielsweise, wie ein Smartphone als mobiles Physiklabor genutzt werden kann. Die Messebesucher erfahren, warum Lernateliers Ressourcen für individualisiertes Lernen freisetzen oder sich Lehrer nicht für, sondern mit Medieneinsatz fortbilden. Zudem wird die Studie der Bertelsmann Stiftung vorgestellt. Im Themenbereich university@LEARNTEC zeigen führende Experten der digitalen Hochschullehre zum dritten Mal in spannenden Vorträgen und Gesprächsrunden, wie der Einsatz von digitalen Medien in der Hochschulpraxis gelingt.

Hochkarätig besetzter Kongress mit international gefragten Referenten

Der Kongress der 26. LEARNTEC widmet sich dem Motto „Bildung als Motor der Digitalisierung“. Behandelt werden Themen wie selbstorganisiertes und informelles Lernen, VR- und 3D-Lernwelten, Digital Leadership, Modern Learning, Big Data, Learning Analytics und Adaptive Learning sowie Performance Support. Die Teilnehmer des Kongresses erfahren beispielsweise, wie der rasante Anstieg an Wissen und Informationen bewältigt, und die Daten für das Lernen sinnvoll nutzbar werden können. Experten zeigen, wie wir im Zeitalter von Industrie 4.0 lernen, wie digitale Spiele als Lernmedium des 21. Jahrhunderts fungieren und wie Lerninhalte flexibel und individuell auf den Nutzer und seine derzeitige Situation und Aufgabe angepasst werden.

Vom Einsteiger bis zum E-Learning-Experten – das Kongressprogramm bietet gebündeltes praxisnahes Wissen für alle Zielgruppen. Insgesamt werden auf der LEARNTEC mehr als 120 Referenten in Vorträgen und Workshops ihr Wissen mit dem Publikum teilen. Open-Space-Sessions, gemeinsames Brainwriting und offene Diskussionsrunden fördern den Austausch zwischen den Referenten und Teilnehmern.

Highlights des Kongresses sind die Keynote von Charles Jennings, Co-Founder, 70:20:10 Institute (UK), zum Thema „Exploiting Learning in the Workplace: informal learning and the 70:20:10 model“ und die Keynote von Jane Massy, Founder director and CEO, abdi Ltd. (UK) zu „Better Evaluation in Technology Enhanced Learning“. Auch die Keynote von Dr. Henning Beck, Neurowissenschaftler und Deutscher Meister im Science Slam zum Thema „Lernst du noch oder verstehst du schon – Der Weg des Wissens zu den Nervenzellen“ und die Podiumsdiskussion zu „Der Digitalisierungs-Marathon – noch am Start oder Ziel in Sicht?“ mit Martin Schallbruch, Deputy Director, Digital Society Institute, European School of Management and Technology, Dr. Eberhard Niggemann, Leiter Weidmüller Akademie und Annika-Kristin Härtel, Manager HR Learning & Development bei Telefónica gehören zu den Höhepunkten des Kongresses.

2017-07-03
bizplay: spielerisch die Welt bewegen

Wie und wo können Spiel-Elemente lohnend auch außerhalb des Kinderzimmers eingesetzt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Gamification-Kongress „bizplay“, der am 28. September 2017 im Alten Schlachthof in Karlsruhe stattfindet. Auf dem Programm stehen Workshops und Vorträge, unter anderem von Vertretern von IBM, Spiel des Jahres e.V. und dem Cornelsen Verlag. Veranstalter der bizplay sind das K³ Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe, das CyberForum e.V., die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH als Ausrichter der LEARNTEC und die gerenwa GmbH. Noch bis 28. Juli läuft der Frühbucherrabatt auf www.bizplay.org

bizplay: spielerisch die Welt bewegen

Wie und wo können Spiel-Elemente lohnend auch außerhalb des Kinderzimmers eingesetzt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Gamification-Kongress „bizplay“, der am 28. September 2017 im Alten Schlachthof in Karlsruhe stattfindet. Auf dem Programm stehen Workshops und Vorträge, unter anderem von Vertretern von IBM, Spiel des Jahres e.V. und dem Cornelsen Verlag. Veranstalter der bizplay sind das K³ Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe, das CyberForum e.V., die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH als Ausrichter der LEARNTEC und die gerenwa GmbH. Noch bis 28. Juli läuft der Frühbucherrabatt auf www.bizplay.org

„Gerade in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung sind Spielen und Lernen untrennbar verbunden – und damit meine ich nicht das erzwungene Lernen, sondern das Neuentdecken digitaler Welten, das Experimentieren aus einer inneren Motivation heraus“, so Prof. Dr. Steffen P. Walz, Kurator der bizplay. Der Gamification-Kongress, der zum 6. Mal stattfindet, beschäftigt sich mit dem Einfluss von Spiel-Elementen auf nicht primär spielerische Bereiche aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.

Kreative, technologische und gesellschaftliche Aspekte

Auch dieses Jahr sind internationale Gamification-Experten als Redner zu Gast bei der bizplay: unter anderem Phaedra Boinodiris, Global Lead Gamification & Serious Games bei IBM (USA); Tom Felber, Vorsitzender Spiel des Jahres e.V. (Schweiz); Susanne Rupp, Leiterin E-Didaktik beim Cornelsen Verlag (Deutschland) und Michael Schmidt, Geschäftsführer der Icaros GmbH (Deutschland).

Letzterer – der Namen des Unternehmens lässt es schon erahnen – macht einen der größten Menschheitsträume erlebbar: Das Fliegen. Der Icaros, bestehend aus VR-Brille, VR-Fitnessspiel und neuartigem Fitness-Gerät, wird auch auf der bizplay auszutesten sein.

Zusätzlich zu den Vorträgen haben die Teilnehmer der bizplay auch dieses Jahr die Möglichkeit, in praxisbezogenen Workshops und Panels tiefer in einzelne Themen der Gamification einsteigen zu können.

Die Veranstaltung richtet sich an alle Gamification-Interessierten aus Wirtschaft, Technologie, Design, Kultur, Gesellschaft und Politik und bietet eine breite Plattform zum Networking und Austausch.

Tickets: Frühbucherrabatt bis 28. Juli

Beim Early-Bird-Special können Tickets bis zum 28. Juli zu vergünstigten Konditionen erworben werden: für 69 Euro (zzgl. MwSt.) statt 95 Euro (Tageskarte). Tickets unter www.bizplay.org

ÜBER DIE ORGANISATOREN

Die bizplay wird veranstaltet vom CyberForum, dem K³ – Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe, der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH sowie der gerenwa GmbH.

CyberForum e.V.

Das CyberForum e.V. ist mit über 1.100 Mitgliedern das größte regional aktive Hightech.Unternehmer.Netzwerk. in Europa. Im CyberForum vernetzen sich Unternehmer, Gründer, Kreative, Mitarbeiter aus Forschungseinrichtungen und Institutionen, Studierende, Business Angels und Auszubildende. Insgesamt repräsentieren die Mitglieder über 23.000 Arbeitsplätze.

Mehr unter: www.cyberforum.de

K³ – Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe

Das K³ – Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe ist erste Anlaufstelle für die Kreativbranchen in Karlsruhe. Es ist eine gemeinsame Einrichtung des Kulturamtes und der Wirtschaftsförderung Karlsruhe. Mit mehr als 15.000 Erwerbstätigen ist Karlsruhe eines der Kreativzentren im Südwesten.

Mehr unter: www.k3-karlsruhe.de

Karlsruher Messe- und Kongress GmbH

Die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH veranstaltet vom 30. Januar bis 1. Februar 2018 zum 26. Mal die LEARNTEC. Mit mehr als 7.500 Fachbesuchern und Kongressteilnehmern ist die LEARNTEC die Leitmesse für digitale Bildung in Europa. Auf der Fachmesse präsentieren mehr als 250 Aussteller die neuesten Anwendungen, Programme und Lösungen für das Lernen mit IT. Der begleitende Kongress vermittelt an drei Tagen geballtes, praxisnahes Wissen.

Mehr unter: www.learntec.de

gerenwa GmbH

Die gerenwa GmbH erfindet und entwickelt Innovationen an den Schnittstellen von digitaler (Auto-)Mobilität, Game Design & Game Thinking und Gesundheit. Für Unternehmen wie Daimler, BMW und Porsche verknüpft gerenwa Technologien, Kompetenzen und Ideen – unterfüttert durch einen einzigartigen Mix wissenschaftlichen Know-hows – zu neuen, disruptiven Lösungen, bei denen der mobile Mensch im Mittelpunkt steht. So entstehen z.B. Automotive Apps, AR & VR für mobile Plattformen sowie mobile Internet of Things-Lösungen für Wohlbefinden und Sicherheit; gerenwas Innovationswerkzeug, das FutureDeck®, wird darüber hinaus eingesetzt, um mit Kunden zukünftige, ungewöhnliche Produktideen zu erspielen.

Mehr unter: www.gerenwa.com

2017-04-12
LEARNTEC 2018: Call for Papers

Der Call for Papers für den Kongress der LEARNTEC 2018 ist online. Der Kongress, der vom 30. Januar bis 1. Februar 2018 parallel zur Fachmesse stattfindet, bietet einen Blick in die Zukunft des digitalen Bildungsmarktes, stellt erfolgreich umgesetzte Bildungsprojekte vor und verknüpft diese mit den Angeboten der Aussteller in der Fachmesse. Interessierte haben bis zum 28. April 2017 die Möglichkeit, Vorschläge zu Themen und Referenten einzureichen und sich so aktiv am Kongress der kommenden LEARNTEC zu beteiligen.

Keynote von Elliott Masie auf der LEARNTEC 2017

Im Fokus des Call for Papers stehen auch in diesem Jahr acht Themenfelder der beruflichen Bildung:

  • Lerninhalte und ihre Produktion
  • Lernsoftware
  • Wissensmanagement
  • Bildungsmanagement
  • Personal, Learning und Coaching
  • Medien und Zugangswege zum professionellen Lernen
  • Hardware und Ausstattung zum professionellen Lernen
  • Bildungsprojekte, Bildungsprogramme und Bildungsorganisation

„Angesprochen sind vor allem Vertreter aus Unternehmen und Organisationen, die den Teilnehmern praktische Tipps für die eigene Arbeit an die Hand geben können“, so Sünne Eichler und Prof. Dr. Peter A. Henning, Mitglieder des Kongresskomitees der LEARNTEC. „Doch auch grundlegende und innovative Beiträge mit wissenschaftlichem Charakter sind willkommen.“ Zudem können auch Vorschläge für das Vortragsprogramm zur Digitalisierung der Schul- und Hochschullehre eingereicht werden, das auf der Fachmesse stattfinden wird.

Die Beiträge sollten den Titel des Vortrags, eine kurze Beschreibung des Vortragsinhaltes, Name, Position und Unternehmen eines möglichen Referenten sowie Angaben zur Person des Referenten und dessen Kontaktdaten enthalten. Auch sollte dargestellt werden, in welches Oberthema, zum Beispiel Mobile Solutions, sich das Thema einordnen lässt. Willkommen sind Beiträge in Deutsch und Englisch. Interessierte können sich bis zum 28. April unter folgendem Link am Call for Papers beteiligen: www.learntec.de/cfp_de.

Nach der Einreichung wird ein Gremium die Papers anhand verschiedener Qualitätskriterien, die sich aus den Elementen Best Practice, Wissenschaftliche Excellence, Innovation und Erfahrung zusammensetzen, bewerten und entscheiden, welche Beiträge in die finale Programmstruktur übernommen werden.

2017-01-26
LEARNTEC bedeutendste Plattform für digitales Lernen in Europa

Größer als je zuvor war die 25. LEARNTEC, die vom 24. bis 26. Januar in der Messe Karlsruhe stattfand. Mit mehr als 7.500 internationalen Fachbesuchern und Kongressteilnehmern aus über 25 Ländern wurden die hochgesteckten Erwartungen des Veranstalters erfüllt (2016: 7.250 Besucher). „Die wachsende Bedeutung von digitaler Bildung zeigte sich auch in der Aufbruchstimmung, die auf der Messe herrschte und ihr Echo in den Sozialen Medien fand“, so Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH.

Größer als je zuvor war die 25. LEARNTEC, die vom 24. bis 26. Januar in der Messe Karlsruhe stattfand.

„Sowohl Einsteiger als auch langjährige Experten informierten sich bei Ausstellern, in Foren und im Kongress. Jeder Dritte verbrachte mindestens zwei Tage auf der Messe.“ 63 Prozent der Besucher waren erstmals auf der LEARNTEC. Knapp die Hälfte kam auf Empfehlung von Kollegen oder Geschäftspartnern.

Auf der LEARNTEC 2017 präsentierten sich 257 Aussteller (2016: 233), rund 20 Prozent fanden ihren Weg aus dem Ausland nach Karlsruhe. Ein Großteil der Aussteller hat sich bereits für die LEARNTEC 2018 angemeldet, zum Teil mit vergrößerten Flächen. Zudem konnten Neuaussteller vor Ort gewonnen werden. Aufgrund der großartigen Entwicklung wird im nächsten Jahr eine zweite Halle geöffnet.

Hochkarätig besetzter Kongress mit international gefragten Experten Der dreitägige Kongress stieß auf großen Zuspruch. „Der deutliche Zuwachs an Kongressteilnehmern zeigt uns, dass wir genau die Themen ausgewählt haben, die die Branche bewegen“, so Sünne Eichler und Prof. Dr. Peter A. Henning, Mitglieder des Kongresskomitees der LEARNTEC. Unter den Besuchern fand vor allem die Keynote von Elliott Masie, Zukunftsforscher aus den USA, besonderen Anklang. Aber auch die Live Hacking-Session zum Thema „Max Schmitt – er weiß nicht, was er tut“ vom IT-Sicherheitsexperten Marco di Filippo und die Podiumsdiskussion zur Zukunft der digitalen Bildung im Rahmen der Eröffnung zählten zu den Highlights des Kongresses.

Verleihung wichtiger E-Learning-Preise

Auf der LEARNTEC wurden mit dem eLearningCHECK, den bsoco awards und dem delina herausragende Leistungen von E-Learning-Anbietern und -Entwicklern gewürdigt. Der Bitkom vergab den Innovationspreis für digitale Bildung delina, für den über 100 Einreichungen eingingen, bereits zum fünften Mal. Preisträger des delina sind die DHBW Ravensburg, die imsimity GmbH und die TriCAT GmbH. „Der delina richtet sich direkt an den Nachwuchs der Branche und will neue Trends im Bereich der digitalen Bildung aufgreifen, innovative Ideen fördern und ihnen Sichtbarkeit geben“, so Stefanie Brzoska, Projektmanagerin Bitkom e.V. „Die LEARNTEC bietet für uns den optimalen Rahmen für die Verleihung.“ Als führender Branchenverband steht der Bitkom der LEARNTEC als langjähriger ideeller Träger zur Seite und präsentierte sich auch mit einem Gemeinschaftsstand.

LEARNTEC fördert Nachwuchs der Branche

Auf der Start-up Area präsentierten sich 15 Unternehmen mit innovativen Konzepten. Das Start-up straightlabs GmbH Co. KG zeigte sich mit der Teilnahme sehr zufrieden. „Die LEARNTEC ist die erste Messe, die wir als Unternehmen besuchen, und wir sind begeistert“, so Prof. Dr. Peter F. J. Niermann, Managing Director bei straightlabs GmbH Co. KG, Anbieter von virtuellen Trainingswelten. „Wir sind im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei, dann jedoch mit einem eigenen Stand.“ Erstmals veranstaltete die LEARNTEC gemeinsam mit dem Karlsruher Hightech.Unternehmer.Netzwerk CyberForum einen Start-up Pitch, der vom Deutschen Gründerverband unterstützt wurde. Teilnehmen konnten die 15 Unternehmen, die sich auf der Start-up Area präsentierten.

Aussteller von LEARNTEC überzeugt

Langjährige Aussteller, wie die imc AG, loben die Entwicklung der LEARNTEC. „Wir sind fast von Beginn an als Aussteller dabei und begleiten die großartige Entwicklung der Messe schon lange“, so Christian Wachter, Vorstand bei der imc AG. „Vor allem in den letzten Jahren hat die LEARNTEC sich stetig verbessert. Das Konzept der Messe mit den zahlreichen Sonderformaten ist stimmig, und das kommt bei den Besuchern gut an.“ Frieder Tempel, Vorstand von der Know How! AG: „Die LEARNTEC ist für uns die wichtigste Fachmesse. Wir sind bereits seit vielen Jahren dabei und haben wieder zahlreiche Gespräche mit langjährigen Kunden aber auch mit neuen Interessenten geführt.“

Auch neue Aussteller sind mit dem Verlauf der Messe sehr zufrieden. „Wir sind das erste Mal dabei und haben viele qualitativ hochwertige Gespräche geführt. Bereits am ersten Tag waren zahlreiche Entscheider von großen Konzernen bei uns am Stand“, sagt Joerg Michel, Geschäftsführer von KIDS interactive GmbH, Anbieter von interaktiven Lern- und Spielmedien.

„Wir haben uns in diesem Jahr ganz bewusst für die LEARNTEC entschieden. Die Digitalisierung der Schullehre nimmt enorm Fahrt auf und die LEARNTEC ist für uns die ideale Plattform, um mit Entscheidern, wie Schulleitern und Schulträgern, in Kontakt zu treten“, so Philipp Anders, Marketing Service Manager bei PHYWE Systeme GmbH & Co. KG, einem Anbieter von digitalen Lernmitteln.

Städtetag fordert Ministerin zu entschlossenem Handeln auf

Erstmals parallel zur LEARNTEC fand die Fachtagung „Digitale Schule der Zukunft und neue Multimediaempfehlungen für Schulen“ vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und dem Städtetag Baden-Württemberg statt. Rund 200 Schulträger kamen zur Fachtagung, die von der Kultusministerin Baden-Württembergs, Dr. Susanne Eisenmann, eröffnet wurde. Klare Worte richtete Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg an Ministerin Eisenmann: „Wir fordern das Land daher auf, mit dem Städtetag, dem Gemeindetag und dem Landkreistag Baden-Württembergs endlich in Verhandlungen zur Umsetzung der seit mehr als einem halben Jahr abgestimmten Multimediaempfehlungen einzutreten. Nichts wird schneller ranzig als Empfehlungen in diesem Bereich.“

Die nächste LEARNTEC findet vom 30. Januar bis 1. Februar 2018 in der Messe Karlsruhe, dann erstmals in Halle 1 und Halle 2, statt.

2017-01-11
Interview mit weltweit anerkanntem Futuristen, Analysten und Speaker Elliott Masie

Am Dienstag, 24. Januar 2017, hält der weltweit anerkannte Futurist, Analyst und Speaker Elliott Masie seine Keynote „Learning Trends, Shifts & Disrupters!“ auf der LEARNTEC 2017. Wenn er mit seinen Visionen Recht behält, stehen wir bald ganz selbstverständlich auf digitaler Ebene weltweit mit genau den richtigen Ansprechpartnern in Kontakt, die uns bei Problemen unterstützen können. Im folgenden Interview erklärt Masie unter anderem, wie intelligente Maschinen den Wissensbedarf jeder Person exakt ermitteln und aus Tausenden von Dokumenten genau den richtigen Content bereitstellen können.

Futurist, Analyst und Speaker Elliott Masie
Futurist, Analyst und Speaker Elliott Masie

Herr Masie – wie lernen wir im Jahr 2030? Werden wir alle mit 3D-Brillen herumsitzen und uns in komplett virtuellen Lernumgebungen bewegen?

Zuallererst möchte ich betonen, dass sich Technologien so schnell verändern, dass eine verbindliche Aussage über die nächsten zwei Jahre hinaus nicht möglich ist. Was ich aber mit Gewissheit sagen kann: Lernen wird spannend sein und sich stark von heutigen Konzepten unterscheiden.

Könnten Sie das näher erläutern?

Wir werden Wissen zunehmend aus der Cloud beziehen. Die Art und Weise, wie wir Wissen erwerben und teilen, wird sich grundlegend verändern. Es wird überall zugänglich sein. Wenn beispielsweise eine Problemstellung auftritt, die im Kollegenkreis nicht gelöst werden kann, kann der Mitarbeiter auf digitaler Ebene direkt eine Frage stellen und erhält sofort eine maßgeschneiderte Antwort.

Ist das die „Personalisierung des Lernens“, die Sie in Ihrer Keynote thematisieren werden?

Ja, schauen wir uns als Beispiel eine Weiterbildung für Marketing-Manager an. Einsteiger werden viel mehr Grundlagenwissen benötigen als Marketing-Experten, die den Job seit 30 Jahren ausüben oder über entsprechende Hochschulabschlüsse verfügen. Das ist bekannt. Der neue Aspekt betrifft die Wissensquellen: Anstatt nur zwei oder drei Artikel zu einem Thema haben die Teilnehmer Zugriff auf Zehntausende von Artikeln und Grafiken. Künstliche Intelligenz wird Ihnen und mir ganz unterschiedliche Antworten bereitstellen, denn wir unterscheiden uns stark darin, welche Inhalte wir benötigen, wie wir lernen und wo unsere Wissenslücken sind. Wir müssen nicht mehr stundenlang nach der richtigen Antwort suchen. Die Maschine wählt auf Basis dessen, was sie über uns weiß, die richtigen Informationen für uns aus. Damit erhält jeder einen individuellen Zugang zum benötigten Wissen.

Das hört sich sehr zeitaufwändig und teuer an.

Ganz im Gegenteil. Mit Hilfe von Simulationen kann das Lernmaterial sogar deutlich reduziert werden. Im Moment probieren wir Dinge aus, bevor wir sie anwenden. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie fahren ein teures Elektroauto, beispielsweise einen Tesla. Sie stellen fest, dass zwei Reifen zu wenig Luft haben. Sie fahren zur Werkstatt, nehmen den Druckluftautomaten vom Haken, öffnen ein Ventil – aber dann müssen Sie herausfinden, wieviel Luft Sie auffüllen müssen. Sollten Sie die Reifen etwas mehr aufpumpen als im Handbuch empfohlen, weil Sie schweres Gepäck im Kofferraum haben? Liegt der niedrige Reifendruck an den kalten Temperaturen? Anstatt auszuprobieren, können Sie eine Simulation nutzen. Mit Hilfe eines Touchscreens können Sie die Simulation starten, und das System sagt Ihnen dann ganz genau, wie viel Luft in die Reifen gefüllt werden muss. In Zukunft werden Simulationen Teil unseres alltäglichen Lebens.

Aber wo kommt das Wissen her?

Von Menschen. Wir werden mit Menschen, die wir als Experten schätzen, enger verbunden sein als heute. Wenn man beispielsweise für eine Versicherungsgesellschaft arbeitet und einen komplizierten Vorgang bearbeiten muss, benötigt man die Unterstützung von einer verlässlichen, vertrauenswürdigen Person. Normalerweise wendet man sich direkt an einen Kollegen, der aber vielleicht auch nicht die richtige Antwort hat. In der Zukunft ist der Experte nur einen Klick entfernt. Auf dem Screen erscheint beispielsweise ein Kollege aus Afrika oder Asien mit der Lösung.

… sofern derjenige online ist.

Das ist eine Frage der Organisation. Wir finden immer die Zeit für einen sozialen Austausch. Natürlich ist es eine Frage von Geben und Nehmen. Auch ich investiere eine Stunde pro Woche für Anfragen. Ich helfe gern, denn am nächsten Tag brauche ich vielleicht selbst Hilfe aus dem Netzwerk. Diese Art von Zusammenarbeit wird sich in keiner Weise unpersönlich oder „technisch“ anfühlen. Es wird eine Welt sein, in der Wissen, Support und Simulation zum täglichen Leben gehören.

Aber bisher ist das nur eine Vision. Wie können Virtual und Augmented Reality das heutige Lernen unterstützen?

Im Moment kann man in der Welt der Computerspiele viel Spaß mit VR und AR haben. 20 Prozent dieser Produkte sind interessant, aber ich bin mir nicht sicher, wie wirksam sie beim Lernen sind. Mal abgesehen vom „Wow-Effekt“ stellt sich die Frage, ob und wie sie der Mehrheit der Lernenden helfen können. Bei neuen Technologien muss man drei bis sechs Jahre warten, bis sie sich vom Experiment zu einer nützlichen Anwendung entwickeln. Skype beispielsweise gibt es schon seit Jahren, aber erst jetzt wird es beim Distance Learning, im elektronischen Gesundheitswesen und anderen Bereichen eingesetzt. Auf den Philippinen skypen viele Eltern, die auswärts arbeiten, abends mit ihren Kindern und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wer hätte je gedacht, dass sich Skype mal zu einem weltweiten Tool für Distance Learning entwickeln würde?

Liefern heutige Technologien alles, was wir zum Lernen brauchen? Und wenn nicht, welche Elemente fehlen noch?

Das Design fehlt. Fernsehen gab es schon jahrzehntelang, bevor Spielberg E.T. präsentierte. Wir müssen mehr selbst erleben, ausprobieren, Regeln brechen. Es gibt Menschen, die gerne Kurse auf Basis von Pokémon GO anbieten würden. Aber das ist leider nicht möglich. Wir wissen nicht einmal, wie sich das Spiel zum Lernen nutzen ließe. Es werden keine 20 bis 30 Jahre vergehen, bis wir das herausfinden, aber es wird definitiv mehr als ein paar Monate dauern.

Dank der Hirnforschung haben wir in den vergangenen Jahren viel über das Wesen des Lernens erfahren. Entsprechen die heutigen Technologien diesen Anforderungen, oder anders gefragt: Sind die Tools in der Lage, unseren Hippocampus zu stimulieren?

Wir verstehen jetzt, dass es kognitive Indikatoren gibt, wie jemand lernt. Nun müssen wir erforschen, welche dieser Indikatoren von Personen und Organisationen genutzt werden können. Ich hätte gerne eine Uhr, die mir ins Hirn schaut und mir Feedback zu meinem aktuellen Zustand gibt. Sie würde mir sagen, dass ich im Alter von 66 Jahren nach 17 Uhr keine Artikel mehr schreiben sollte, da meine Performance danach stark nachlässt. Ich hätte gerne einen Indikator, der mir mein Performance-Level wie eine Ampel darstellt: grün, gelb und rot. Und mein E-Mail-Programm sollte mir sagen, dass ich die Mail noch nicht abschicken sollte, weil sie nicht gut genug ist. IBM forscht im großen Stil an kognitiven Technologien. Für mich bedeutet „kognitiv“: Es wird immer eine Online-Hilfe geben, sei es ein familiäres, soziales, gesundheitliches oder freizeitbezogenes Thema.

Können Sie mir ein Beispiel nennen, wie personalisierte Informationen in der Freizeit funktionieren?

Sie gehen zum Beispiel in ein Restaurant: Nach der Gesichtserkennung am Eingang erhalten Sie eine andere Speisekarte als die anderen Gäste, denn sie richtet sich nach Ihren Vorlieben und Ihrem Gesundheitszustand. Um diese Indikatoren zu erhalten, werden wir zur biometrischen Erkennung übergehen. Das ist die einfachste Form des Datenschutzes.

Aber wenn ich diesmal etwas Anderes essen will?

Natürlich können Sie das immer noch selbst entscheiden. Die biometrische Erkennung macht ja nur Vorschläge. Man kann jederzeit zur Standard-Speisekarte wechseln.

Apropos Essen – wird die Technologie je in der Lage sein, jedem von uns eine Speisekarte mit individuellen Wissensnuggets zu servieren?

Das kommt darauf an, wie viel man ausgeben will. Lernen ist ein Marktplatz: Wer kostenlos lernen will, kann nicht aus tausend Möglichkeiten wählen. Aber wenn der Arbeitgeber bereit ist, zu investieren (Geld, Energie, Aufwand, Zeit), kann man diese tausend Auswahlmöglichkeiten bieten. Das ist wie in einer Konferenz: Wenn man für 1600 Teilnehmer ein Frühstück und Mittagessen servieren will, eignet sich ein Buffet am besten. Wenn 30 Leute Allergien oder besondere Wünsche haben, kann man das leicht managen. Aber nicht bei 1600. Das gleiche trifft auf das Lernen zu: Ich kann einen Kurs entwickeln, der für einen Großteil der Lernenden wenig Auswahlmöglichkeiten bietet. Einer kleineren Zielgruppe kann man dann ein individuelles Design anbieten, aber nicht Tausenden von Mitarbeitern weltweit.

Herr Masie, vielen Dank für das interessante Interview.

Das Interview führte Kirsten Seegmüller, freie Journalistin, im Auftrag der Karlsruher Messe-und-Kongress GmbH.