17.11.2017

Erklärvideo-Projekt „Noch Fragen?!“ der Ernst-Reuter-Schule (ERS)

Die Ernst-Reuter-Schule (ERS) hat in den letzten Monaten zahlreiche Preise für das Erklärvideo-Projekt „Noch Fragen?!“ gewinnen können.

Erklärvideos haben an der Gemeinschafts mittlerweile Tradition. … und zu der haben wir Dominik König-Kurowski, den stellvertretenden Schulleiter befragt.

Erklärvideo-Projekt „Noch Fragen?!“ der Ernst-Reuter-Schule (ERS)
Erklärvideo-Projekt „Noch Fragen?!“ der Ernst-Reuter-Schule (ERS)

Die Erklärvideos Ihrer Schule wurden bereits mit diversen Preisen ausgezeichnet. Welchen Anteil haben daran die Lehrer und welchen die Schüler?

Wichtige Auszeichnungen waren der d-elina, der Innovationspreis der Bitkom für digitale Bildung und der Schülermedienpreis. Hinzu kamen der der Förderpreis Medienpädagogik und der elmo-Videopreis. Zudem haben wir den Schweizer Lernfilmwettbewerb und den Videowettbewerb der Nachhaltigkeitsstrategie gewonnen. Jeder dieser Preise war ein Türöffner und ein Wegweiser für neue Wege.

Dies umschreibt auch die Rolle der Lehrer innerhalb des Projektes. Die Lehrer sind Türöffner und Wegweiser - unsere Schüler aber müssen hindurchgehen und die Wege beschreiten. Das Wichtigste und Interessanteste bei „Noch Fragen?!“ ist, dass die Schüler meist ganz andere Wege beschreiten, neue Wege finden und alte Pfade verlassen. So entstehen originäre Schülerprodukte, die der Lehr-Lernkonzeption „Learners as Designers“ nach Jonassen folgen. Die Schüler nutzen die Medien zum aktiven und konstruktiven Wissenserwerb. Im Fokus steht die „Ressource Schüler“, welche bisher an Schulen im digitalen Bereich wenig genutzt wird. Gleichzeitig spielen sie mit ihrer großen Affinität zu digitalen Medien eine wichtige Rolle innerhalb unseres medienbildnerischen Profils.

Das Erstellen von Erklär-/ Lernvideos ist für uns eine moderne Form kooperativen Lernens mit nachhaltigen Ergebnissen. Das begleitende Lehrerteam steht natürlich besonders bei der Komplexitätsreduktion unterstützend zur Seite.

Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass man die Welt, die man erklärt, auch begreift.

So ist „Noch Fragen?!“ ein Versuch, Neugier aufrecht zu erhalten und zu schüren, Kreativität herauszufordern und zu unterstützen und Lust zu machen. Lust auf neue Wege, Lust, etwas auszuprobieren und Lust, etwas zu schaffen.

Die Schüler der Ernst-Reuter-Schule (ERS) erstellen gemeinsam Erklärvideos

Wie kam es zu den ersten Video-Clips und wie hat sich das Thema dann weiterentwickelt?

Zu Beginn des Schuljahres 15/16 wurde eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern zusammengestellt, die sich innerhalb eines Jahres intensiv im Rahmen eines Erweiterten Bildungsangebots (EBA) mit dem Thema Erklärvideos auseinandergesetzt hat. Einerseits wurden viele filmische Techniken ausprobiert und vertieft, um die kreativen Möglichkeiten zu erweitern und verschiedene Wege aufzuzeigen. Gleichzeitig haben wir mit dieser Gruppe intensiv am Thema „Reduktion von Inhalten“ gearbeitet. Was ist wichtig, was kann vorausgesetzt werden, wie muss ich es erklären. In einem weiteren Schritt wurden dann die entstandenen Erklärtexte chiptechnisch umgesetzt und dabei versucht, das Bild ganz bewusst als Unterstützung des Inhalts zu nutzen.

Im Jahr darauf haben wir einerseits mit Hilfe externer Partner – Begleitung durch ein Projekt der kooperativen Berufsorientierung, das die enge Zusammenarbeit mit einer Medienkünstlerin, einem Filmemacher und einem Theaterpädagogen ermöglichte – das Arbeiten der Schülerinnen und Schüler im Erweiterten Bildungsangebot professionalisiert, andererseits die Idee „Schüler erstellen eigene Erklärvideos“ auch tatsächlich in den Unterricht integriert. So werden die entstandenen Videos zur Wiederholung und Vertiefung genutzt, im Vorfeld des Unterrichts eingesetzt, um eine eigenständige Vorbereitung zu ermöglichen und sie dienen auch der Information in Phasen des Lerngruppenunterrichts.

Gleichzeitig erstellen auch Schüler, die nicht am Erweiterten Bildungsangebot teilnehmen nun eigene Videos für Mitschüler. Hierzu nutzen sie den entstandenen Medienraum und die Unterstützung der professionalisierten Mitschüler.

Die Schüler arbeiten nach dem Prinzip: Lernen mit Medien und nicht nur Lernen über Medien.

Die Konzeption und Realisation von Erklärvideos ist auch für Profis didaktisch, dramaturgisch und technisch eine sehr anspruchsvolle Herausforderung. Wie konnten Sie diese Kompetenzen bei Ihren Schülern entwickeln?

Unsere Schüler arbeiten nach dem Prinzip: Lernen mit Medien und nicht nur Lernen über Medien. Wir verstehen Medienbildung daher als aktive Auseinandersetzung mit Unterrichtsgegenständen im digitalen Zeitalter. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat Medienbildung im Jahr 2014 neben Lesen, Schreiben und Rechnen zur vierten Kulturtechnik erklärt. Im Schuljahr 2016/2017 führt das Land Baden-Württemberg neue Bildungspläne für die Sekundarstufe ein. Darin ist Medienbildung Leitprinzip und fächerintegrativ verankert. In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt, gehört Medienkompetenz aber auch das kooperative Erarbeiten gemeinsamer Inhalte, wie beispielsweise ein Lernvideo, zu Schlüsselqualifikationen des 21. Jahrhunderts. Durch das fertige Produkt „Lernvideo“, erleben die Schülerinnen und Schüler Selbstwirksamkeit, welche sie zusätzlich im Lernprozess positiv beeinflusst.

All diese grundlegenden Überlegungen bilden die Basis für die Entwicklung der Kompetenzen bei den Schülern. Sie können hier kreativ sein, sich ausprobieren, erleben Selbstwirksamkeit und schaffen etwas. So entstand eine hohe Motivation. Diese Motivation wiederum führte dazu, dass die Schüler viel Zeit in den Kompetenzerwerb investiert haben. Sie waren und sind bereit, sich auch in den Freizeitphasen der Ganztagsschule und über den Schultag hinaus mit dem Thema zu beschäftigen. Mit Tablets oder ihrem eigenen Smartphone haben sie ein mächtiges Werkzeug in der Hand, das nun kreativ genutzt werden kann.

Gleichzeitig haben wir ihnen Experten an die Hand gegeben. Über KooBo (kooperative Berufsorientierung) haben wir Filmemacher, Fotografen, Medienkünstler und Schauspiel-/ Sprechtrainer an die Schule geholt. Da traf dann das hohe Interesse und die Motivation auf Expertenwissen.

Die Ernst-Reuter-Schule ist eine Gemeinschaftsschule, dass heißt, Ihre Schüler gehen nach der 10. Jahrgangsstufe ab. Wie gelingt es Ihnen, das Know-How von Generation zu Generation weiterzugeben?

Dies gelingt durch den Rollenwechsel der älteren Schüler. In den letzten beiden Jahren haben Schüler der höheren Klassenstufen EBAs in den Mittagspausen und am Nachmittag angeboten. So wurden jüngere Schüler durch ihre Mitschüler in den Grundlagen (Videoschnitt, Animationstechniken, Beleuchtung, Arbeit mit dem Greenscreen usw.) geschult. Gleichzeitig erstellten jüngere und ältere Schüler gemeinsam Erklärvideos. Das gemeinsame Handeln ist sicherlich der beste Weg, Know-How weiterzugeben.

Zudem wird in diesem Schuljahr der Medienraum/ MakerSpace jeden Tag in der Mittagspause von einem älteren Schüler geöffnet. Schüler können hier einfache Filmtechniken (StopMotion, GreenScreen, Einlinienanimationen) ausprobieren und eigene Ideen realisieren.

Mit Begeisterung produzieren die Schüler der Ernst-Reuter-Schule ihre Videos

Sie sind Medienschule … und offenbar spielen die Medien in der Schulentwicklung der ERS eine besondere Rolle. Wie würden Sie das Konzept in wenigen Worten umschreiben?

Lernen und Lehren, das die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts im Fokus hat, muss verschiedene Zugänge bieten, verschiedene Sichtweisen ermöglichen und verschiedene Wege offen halten - gleichzeitig muss es ergebnisoffen, entdeckend, experimentierend sein. Lerner werden zunehmend auch Produzenten und Konstrukteure werden. Die zunehmend notwendige Flexibilität in den Köpfen muss man auch in der Flexibilität der Räumlichkeiten und Lernarrangements wiederfinden.

Hier setzt auch die Idee des InnovationLABs auf dem Campus der Ernst-Reuter-Schule an (www.innovation-lab.education). Dort wollen wir neue, innovative Lernszenarien für das projektorientierte, nachhaltige und schüleraktivierende Lernen mit mobilen Geräten entwickeln, bei denen auch der physische Lernraum eine besondere Rolle spielt. Hier soll neues Lernen nicht nur gedacht, sondern ausprobiert werden.

Weitere Videos der Ernst-Reuter-Schule:

https://vimeo.com/ernstreuterschule

www.ernschtle.de

Die Ernst-Reuter-Schule ist Partner des Forums school@LEARNTEC und wirkt bei der Programmgestaltung mit.

Autor: Jürgen Luga, Redaktionsbüro Education Mediengesellschaft mbH

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