Sprachenlernen im Berufsalltag: individuell, flexibel, zielorientiert - und digital
Wie lässt sich Sprachenlernen mit einem vollen Arbeitsalltag verbinden? Interview mit Vincent Gest, Gründer und CEO von WeFit.
1 · In einer zunehmend globalisierten Arbeitswelt sind Sprachkenntnisse unverzichtbar. Dennoch fällt Erwachsenen das Sprachenlernen oft schwerer als Schülern. Wie lässt sich Sprachenlernen erfolgreich in den Arbeitsalltag integrieren?
Erwachsene lernen anders als Kinder – und genau darin liegt ein wichtiger Schlüssel für erfolgreiches Sprachenlernen im Berufsalltag. Während bei Kindern und Jugendlichen eher pädagogische Ansätze im Vordergrund stehen, spricht man beim Lernen von Erwachsenen von Andragogik.
Erwachsene bringen viel Erfahrung mit, haben konkrete Ziele und meist wenig Zeit. Gleichzeitig erwarten sie eine Kommunikation auf Augenhöhe mit ihrer Lehrkraft und möchten unmittelbar erkennen, welchen Nutzen das Gelernte für ihren beruflichen Alltag hat. Die entscheidende Frage ist daher, wie sich Sprachenlernen für Erwachsene so einfach und flexibel wie möglich gestalten und an ihre individuelle Lebens- und Arbeitssituation anpassen lässt.
Genau hier setzt WEFIT an – mit drei zentralen Prinzipien:
Erstens: Wir passen das Training an den Berufsalltag an.
Wir richten das Training nach dem Kalender und der Verfügbarkeit jedes Lernenden aus – mit einer großen Auswahl an Zeitfenstern, einem individuell wählbaren Lerntempo, der Möglichkeit, bis zu drei Trainer auszuwählen, sowie Unterrichtseinheiten von 15 bis 90 Minuten.
Zweitens: Wir passen die Lernerfahrung an die Person an.
Die Auswahl des Trainers, die Art der im Live-Unterricht eingesetzten Materialien und der Umfang des selbstständigen Lernens richten sich nach dem Profil und der Persönlichkeit des jeweiligen Lernenden.
Drittens: Wir richten die Inhalte auf ein konkretes Ziel aus.
Nicht jeder Lernende braucht dasselbe. Deshalb greifen wir auf einen umfassenden Lernplan zurück und setzen gezielt dort an, wo die Sprache im beruflichen Alltag tatsächlich gebraucht wird. So konzentriert sich das Training auf die Kompetenzen und Inhalte, die für die jeweilige berufliche Situation relevant sind.
Diese Kombination aus Flexibilität, persönlicher Anpassung und klarer Zielorientierung macht Sprachenlernen auch für Berufstätige nachhaltig und alltagstauglich. Dass dieses Prinzip funktioniert, zeigt sich auch an unserer Abschlussquote: 99 % der WEFIT-Lernenden schließen ihr Training erfolgreich ab – und berichten dabei von einer positiven Lernerfahrung.
2 · Personalisierung ist ein zentraler Faktor beim Sprachenlernen. Wie stellen Sie sicher, dass Lernende tatsächlich einen individuellen Lernweg erhalten?
Bei WEFIT steckt die Personalisierung bereits im Namen: WE FIT – wir passen uns an. Denn individuelles Lernen bedeutet für uns weit mehr, als nur das Sprachniveau und das Lernziel eines Teilnehmenden zu berücksichtigen. Wir betrachten die Person ganzheitlich und gestalten den Lernpfad entsprechend ihren individuellen Voraussetzungen, Bedürfnissen und Zielen.
Konkret beginnt jeder Lernende mit zwei Assessments: einem Einstufungstest nach dem GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen) und einem Test zur Ermittlung des individuellen Lernprofils.
Anschließend wird der Lernweg anhand von bis zu acht verschiedenen Kriterien personalisiert. Dazu gehören beispielsweise die Motivation, der individuelle Chronotyp – also die Frage, zu welcher Tageszeit jemand besonders konzentriert ist –, aber auch die bevorzugte Art von Lerninhalten und Übungen.
Auch die Auswahl der Trainerinnen und Trainer wird individuell getroffen: Persönlichkeit, Akzent, Verfügbarkeit und Lehrstil spielen dabei eine Rolle. Manche Lernende profitieren von einer Lehrkraft, die sie stärker herausfordert, andere von einer eher unterstützenden Begleitung. Ebenso können Art und Umfang des E-Learnings sowie die Intensität der persönlichen Betreuung angepasst werden – von einer sehr engen Begleitung bis hin zu einem bewusst selbstständigen Lernansatz.
Auf dieser Grundlage erstellt unsere WEMATCH-Engine ein maßgeschneidertes Lernprogramm und schlägt bei Live-Kursen eine Auswahl passender Trainer vor.
Die endgültige Entscheidung trifft der Lernende selbst. Zu jedem Trainer stehen ein Lebenslauf, ein Vorstellungsvideo sowie Informationen zu seinen Erfahrungen und seiner Expertise zur Verfügung. So kann jeder Lernende bis zu drei Trainer auswählen, die am besten zu den eigenen Bedürfnissen passen.
Darüber hinaus entwickelt sich der Lernpfad kontinuierlich weiter. Ein KI-Assistent begleitet die Lernenden, korrigiert Fehler und erstellt auf Grundlage ihrer individuellen Schwierigkeiten gezielte Wiederholungsübungen. So wird das Training mit jeder Unterrichtseinheit präziser auf den tatsächlichen Lernbedarf abgestimmt.
Genau das bedeutet unser Versprechen „You are unique“ in der Praxis: Es ist kein bloßer Slogan, sondern ein Lernweg, den kein anderer Lernender genauso erlebt.
3 · Welche pädagogischen Prinzipien stehen hinter der WEFIT-Methode und mit welchen Formaten werden sie umgesetzt?
Hinter der WEFIT-Methode steht ein zentraler didaktischer Grundsatz: Sprachenlernen muss sich gut anfühlen, damit es langfristig funktioniert. Denn positive Lernerfahrungen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen regelmäßig lernen, motiviert bleiben und nachhaltige Fortschritte machen.
Deshalb steht bei uns der Mensch im Mittelpunkt – und das Lernziel wird auf einem Weg verfolgt, der zur jeweiligen Person passt. Das kann manchmal auch bedeuten, bewusst einen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen. Ein Beispiel ist unser „Counterintuitive“-Ansatz: Wenn ein Mitarbeitender beispielsweise wenig Motivation für Englischtraining mitbringt, obwohl er die Sprache später im Vertrieb benötigt, würden wir nicht unbedingt mit klassischen Verkaufssituationen beginnen. Stattdessen könnte das Training in den ersten zwei Wochen täglich nur 15 Minuten dauern und sich beispielsweise um Fußball drehen. Dabei werden ganz nebenbei Satzstrukturen, Grammatik und Wortschatz vermittelt, die später im beruflichen Kontext benötigt werden. Viele Wege führen zum Ziel – entscheidend ist, einen Weg zu finden, den die Person gerne geht.
Auch die einzelne Unterrichtsstunde folgt einer klaren didaktischen Struktur:
• Einstieg: Ein kurzer „Stroop Effect“ aktiviert die Aufmerksamkeit und schafft einen bewussten Übergang in den Lernmodus.
• Warm-up-Quiz: Zu Beginn wird überprüft, was bereits sitzt und wo noch Lernbedarf besteht.
• Individuelle Lernphase: Darauf aufbauend folgen Übungen, Rollenspiele sowie Wortschatz- und Grammatikarbeit. Durch das Warm-up kann die Lehrkraft die Stunde gezielt auf die individuellen Schwächen ausrichten.
• Abschluss-Quiz: Am Ende wird das Einstiegsquiz erneut aufgegriffen. Die Wiederholung macht den Lernfortschritt sichtbar und unterstützt die Verankerung des Gelernten.
Für die Umsetzung setzen wir seit 2009 auf Videokonferenz-Training, weil dieses Format besonders flexibel ist: Lernende können unabhängig von ihrem Standort mit passenden Trainerinnen und Trainern arbeiten und die Trainingszeiten lassen sich gut an den Berufsalltag anpassen.
Ergänzend können digitale Lernformate und selbstständige Lernphasen eingesetzt werden, die individuell auf die jeweilige Person und ihren Lernweg abgestimmt sind.
Unsere Methode wird zudem kontinuierlich weiterentwickelt. Seit fünf Jahren beschäftigt sich bei WEFIT ein eigenes Research-Team intensiv mit den Themen Adaptation und Neurowissenschaften. Die Erkenntnisse daraus fließen in unsere Lernkonzepte ein und helfen uns dabei, unsere Trainings kontinuierlich weiterzuentwickeln.
So verbinden wir didaktische Struktur mit individueller Anpassung und modernen digitalen Formaten – mit einem klaren Ziel: Sprachenlernen so zu gestalten, dass Menschen nicht nur Fortschritte machen, sondern auch gerne und kontinuierlich lernen.
