Heilbronner Liste bewertet KI-Tools – Orientierung für Lehrkräfte in Deutschland
Kai Erik Trost von der aim Heilbronn spricht über Wirksamkeit, Datenschutz und Ethik
Welche KI-Tools kann ich sinnvoll im Unterricht einsetzen? Kai Erik Trost arbeitet bei der aim Heilbronn an einer kuratierten Auswahl an digitalen Bildungsanwendungen. Das Ziel: Eine Übersicht für Schulen in Deutschland. Die Arbeit an der „Heilbronner Liste“ zeigt, wie anspruchsvoll digitale Bildung ist.
Viele Lehrkräfte stehen beim Thema digitale Tools unter Druck. Woran liegt das?
Kai Erik Trost: Lehrkräfte wissen oft nicht, welche digitalen Bildungsanwendungen es überhaupt gibt, was sie rechtlich einsetzen dürfen und welche KI-Tools nachweislich etwas bringen. Diese Unsicherheit erleben wir täglich. Es fehlt an Orientierung – bei der Wirksamkeit, beim Datenschutz, bei ethischen Fragen. Das macht es schwer, digitale Tools im Unterricht gezielt und sicher einzusetzen.
Warum ist es so schwer, den Überblick zu behalten?
Weil das Angebot an KI-Tools und Bildungsanwendungen riesig ist. Weiterhin sind die Rahmenbedingungen für den Einsatz im Schulunterricht komplex: Es geht um DSGVO-Regeln, den EU AI Act, ethische Fragen wie Biases in KI-Systemen und digitale Souveränität – und natürlich um die Frage, ob ein Tool im Unterricht praktikabel ist.
Was soll die Heilbronner Liste daran ändern?
Sie wird eine dauerhaft kuratierte Übersicht digitaler Tools für den Schulunterricht in Deutschland. Wir evaluieren die Anwendungen nach Kriterien in fünf Kategorien: Pädagogisch-didaktische Eignung, Recht und Datenschutz, Ethik, Praktikabilität und Lerneffizienz. Ziel ist, Lehrkräften Orientierung zu geben, was sie einsetzen können.
Wir arbeiten dafür mit dem Hector-Institut (Didaktik) und dem IZEW (Ethik) der Uni Tübingen zusammen. Rechtliche Einschätzungen, die Bewertung der Praktikabilität und die langfristige Kuratierung übernimmt die aim.
Worin liegt die größte Schwierigkeit?
In einer differenzierten didaktischen Bewertung der Eignung für den Unterricht. Einige Kriterien lassen sich leicht prüfen, andere kaum, da die digitalen Werkzeuge völlig unterschiedliche Zwecke erfüllen. Ein Visualisierungstool muss anders bewertet werden als ein adaptives Lernsystem.
Wie können Lehrkräfte den Prozess mitgestalten?
Indem sie uns Rückmeldung geben, wie die Liste aufgebaut sein sollte und was für sie wichtig ist. Orientiert sie sich besser an Fächern, an Lernkontexten, an konkreten Use Cases? Das wissen wir nur, wenn Lehrkräfte sich einbringen. Je stärker die Zielgruppe beteiligt ist, desto hilfreicher wird die Heilbronner Liste später im Unterricht sein.
Kai Erik Trost spricht im Rahmen der LEARNTEC zum Thema "Mutig durch den KI-Dschungel – wie Schulen Orientierung gewinnen" - 5. Mai, 9.30 Uhr - mehr Infos hier
Zur Person: Dr. Kai Erik Trost leitet das „Kompetenzcenter KI in der Bildung“ der Akademie für innovative Bildung und Management (aim). Sein Team entwickelt Angebote, die digitale Bildung und KI-Kompetenz im deutschen Schulsystem stärken.
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