09.11.2017

Open Educational Resources (OER) als Lerninhalt und -ergebnis

Nach Google ist YouTube die am zweithäufigsten besuchte Website der Welt. So wie Google die Universal-Suchmaschine schlechthin ist, so stellt YouTube die Universalplattform schlechthin für Video- und Streaming-Inhalte dar. Mit dem Konzept des Flipped Classroom (FC) haben vor einigen Jahren Lehrende an Universitäten und Hochschulen begonnen, Videoclips in ihre Lernsettings zu integrieren – in Form aufgezeichneter Vorlesungen, Kurzvorträgen oder Erklärvideos. Der FC eröffnet damit die Möglichkeit, die „einkanalige“ Vermittlung der Inhalte in individuell bestimmbare Selbstlernphasen zu verlagern und die Präsenzzeit zu kollaborativem Arbeiten zu nutzen. Hinsichtlich der Erklärvideos ist die Rollenteilung allerdings ganz klar: Der Lehrende ist der Produzent, der Lernende der Konsument der Clips.

Das Hönne Berufskolleg des Märkischen Kreises hat aus der Idee des Flipped Classrooms und dem Prinzip "Discover - Design - Publish“ (ddp) ein Lernsetting entwickelt, bei dem die Schülerinnen und Schüler Erklärvideos zu Curricula-Inhalten selbst produzieren und als Open Educational Resources (OER) auf YouTube veröffentlichen (kfz4me.de). Insgesamt sind es aktuell etwa 250 Lernbausteine, 150 davon Open Educational Resources. Mehr als 1.285.000 Clicks und 2.000 Abonnenten des Kanals belegen, dass das, was im Jahr 2009 mit wissenschaftlicher Akribie in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit dem Titel Didaktische Parallelität und Lernortflexibilisierung (DiPaL) begann, sich zwischenzeitlich zu einem praktikablen Ausbildungskonzept entwickelt hat.

Entwickelt wurde das Konzept, das auch unter dem Begriff Designorientierung diskutiert wird, von Dr. Markus Schäfer. Er ist Lehrer am Hönne Berufskolleg und schildert seine Erfahrungen so: „Mit unserem Ansatz können wir die Lebenswelt der Jugendlichen und die Lerninhalte optimal verknüpfen, weil sie an ihren eigenen Problemen arbeiten.“

Ziel ist es, dass jede und jeder Auszubildende zu einem Lernbaustein einen kurzen Film erstellt. Als Grundlage dafür erarbeitet er eine PowerPoint-Präsentation. In einem Drehbuch wird dann der Sprechertext formuliert. Der Lehrer steht während des gesamten Prozesses als Berater zur Verfügung. Jeder Lernende nimmt in einer Sprecherkabine seine Erklärungen auf, um sie dann mit der PowerPoint-Präsentation zu einem Erklärvideo zusammenzuschneiden.

Bevor der fertige Film im Internet veröffentlicht wird, diskutiert ihn zunächst die Klasse kritisch.

Auf YouTube stehen die Lernbausteine dann als Open Educational Resources lernortübergreifend für Nachhilfeprozesse oder als Augmented-Reality-Ressource zur Verfügung.

Dass die Schülerinnen und Schüler selbst Produzenten von Lernmedien sind und diese öffentlich teilen, steigert die Motivation hinsichtlich der Aneignung von Fach- und Medienkompetenz.

Für das Konzept interessiert sich mittlerweile auch Prof. Eckart Diezemann von der Universität Siegen. Er möchte untersuchen, welche Auswirkungen das Konzept auf die Subjektentwicklung hat. Sein Forschungsschwerpunkt unter anderem: Subjektkonstitution und -entwicklung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Transformation, zum Beispiel der Digitalisierung und 'hybrid-Konzept' zwischen Webinar und inverted classroom.

Gemeinsam werden Dr. Markus Schäfer und Prof. Eckart Diezemann einen Workshop im Rahmen des Forums school@LEARNTEC am Donnerstag, den 01.02.2018 von 10.00 - 13.00 Uhr gestalten.

Das Konzept kann für andere Branchen und Schulformen beispielgebend sein. Der Workshop wird daher die Methode praktisch mit den Teilnehmern erproben und auf ihre Übertragbarkeit hin untersuchen.

Hinsichtlich der Mediennutzung, Stichwort PowerPoint, Audio- und Video-Software, ist das Konzept praktisch beliebig skalierbar. Je nach Schulform und Einbettung in das Schulkonzept und/oder technischer Ausstattung der Einrichtung, sind sowohl niederschwellige als auch „semi-professionelle“ Szenarien denkbar. Entscheidender als die eingesetzte Technik ist das passende didaktische Konzept und dass es zur Lerngruppe passt und die Lernenden nicht überfordert.

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