14.12.2017

Interview mit Michael Zieher, Leiter des Referats „Medienpädagogik, digitale Bildung“ im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Das Kultusministerium unterstützt das Forum school@LEARNTEC 2018 sehr engagiert mit eigenen Panel-Workshops, der Beteiligung an einer zentralen Diskussionsrunde und einem eigenen Informationsangebot und -stand. Hat die LEARNTEC im Rahmen der Digitalisierung der Schulen für das Kultusministerium an Bedeutung gewonnen?

Die Gestaltung des digitalen Wandels ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit und gerade im Bildungsbereich gewinnt das Thema mehr und mehr an Bedeutung. Die Steuerung der Digitalisierung wurde deshalb im Kultusministerium von Baden-Württemberg in einem neuen Querschnittsreferat gebündelt, um das Vorgehen in diesem wichtigen Handlungsfeld ganzheitlich zu planen und möglichst effizient anzugehen. Angesichts der hohen Dynamik steigt bei allen Beteiligten im Bildungsbereich auch der Bedarf nach Austausch und Information zu den verschiedenen Aspekten dieser Entwicklung. Vor diesem Hintergrund bietet die LEARNTEC eine sehr interessante Plattform, die das Kultusministerium verstärkt nutzen möchte, um die eigenen Konzepte und Strategien für den Schulbereich vorzustellen, Anregungen einzuholen und Netzwerke auszubauen.

Die Digitalisierung durchdringt zunehmend alle gesellschaftlichen Bereiche. Schule ist im doppelten Sinne davon betroffen – sie muss die Schülerinnen und Schüler fachlich auf eine digitalisierte (Arbeits-)Welt vorbereiten und gleichzeitig Schlüsselkompetenzen vermitteln, die lebenslanges Lernen in dieser hochkomplexen und sich rasant wandelnden Welt ermöglichen. Das Strategiepapier der KMK „Bildung in der digitalen Welt“ benennt besagte Kompetenzen. Wie wird die Umsetzung der Strategie in Ba-Wü realisiert?

Schulen sind nicht nur im doppelten, sondern sogar im dreifachen Sinne betroffen. Denn neben der Vermittlung des notwendigen Fachwissens und der Schlüsselkompetenzen gilt es auch, die neuen technischen Möglichkeiten der Digitalisierung im schulischen Umfeld so zu nutzen, dass sie das Lehren und Lernen bestmöglich unterstützen. Die Strategie des Kultusministeriums in Baden-Württemberg folgt dabei der - auch auf KMK-Ebene - gültigen Prämisse: Die Technik muss der Pädagogik folgen.

Bei der inhaltlichen Verankerung sind wir in Baden-Württemberg mit den aktuellen Bildungsplänen auf einem guten Weg. Wir haben die Medienbildung fächerübergreifend verankert und gehen aktuell den Ausbau der Informatikangebote an; zunächst bei den Gymnasien ab diesem Schuljahr, ab dem kommenden Schuljahr dann auch bei den anderen weiterführenden Schulen. Im Fokus unserer Strategie stehen aktuell die methodisch-didaktische Verankerung der neuen technischen Möglichkeiten im Unterricht, die Qualifizierung der Lehrkräfte und die Schaffung der notwendigen technischen Voraussetzungen. Diese Strategie wollen wir auch bei der LEARNTEC im Rahmen eines Panel-Workshops mit interessierten Besuchern diskutieren.

Informationstechnische Grundbildung soll ab dem kommenden Schuljahr 2018/19 ab der ersten, bzw. fünften Klasse im Rahmen eines Spiralcurriculums in allen Fächern unterrichtet werden. Setzt das bei den Lehrkräften nicht spezielles Fachwissen und fach-didaktische Kompetenzen voraus, die bisher weder in der Aus- noch in der Fortbildung eine Rolle spielten?

In Baden-Württemberg hat die Landesregierung vor Kurzem entschieden, den Informatikunterricht an allen weiterführenden Schulen im Land auszubauen. Das Konzept sieht vor, den Aufbaukurs Informatik, der mit Beginn des laufenden Schuljahrs in Klasse 7 der allgemeinbildenden Gymnasien eingeführt wurde, ab dem kommenden Schuljahr auf alle weiterführenden Schularten auszudehnen. Aufbauend wird an den Haupt-/Werkrealschulen und Realschulen ab dem Schuljahr 2019/20 schrittweise ein neues Wahlfach Informatik eingeführt, das die Schülerinnen und Schüler in den Klassen 8 bis 10 freiwillig zusätzlich belegen können. An den allgemeinbildenden Gymnasien wird ab dem kommenden Schuljahr als Vertiefungsmöglichkeit für die Klassenstufen 8 bis 10 ein neues Profilfach Informatik, Mathematik, Physik (IMP) angeboten werden. Im Schuljahr 2019/20 folgt die Einführung dieses Profilfachs auch an der Gemeinschaftsschule. Für die Umsetzung des Konzepts werden dauerhaft insgesamt knapp 300 zusätzliche Lehrerstellen benötigt. Derzeit kann das Fach Informatik für das Lehramt an Gymnasien und das Lehramt der Sekundarstufe I studiert werden. Zusätzlich hat die Landesregierung eine Fortbildungsoffensive auf den Weg gebracht, um dem durch den Ausbau entstehenden Lehrkräftebedarf gerecht zu werden. So wird für Lehrer, die das Profilfach IMP oder das Wahlfach Informatik (Klasse 8 bis 10) unterrichten, ein Kontaktstudiengang über ein Schuljahr hinweg angeboten. Für Lehrer, die den Aufbaukurs Informatik (Klasse 7) unterrichten, besteht bereits jetzt ein entsprechendes Fortbildungsangebot.

Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht soll in unterschiedlichen Szenarien erfolgen, bis dahin, dass der Unterricht grundlegend eine Veränderung erfährt.

Was müssen sich die Lehrerinnen und Lehrer darunter vorstellen? Und was bedeutet das für das Zusammenspiel von Schul- und Unterrichtsentwicklung?

Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht kann sehr unterschiedlich aussehen. Dies beginnt beispielsweise beim Ersatz von Arbeitsblättern durch digitale Dokumente und reicht bis zur Neugestaltung von Unterricht wie etwa beim Flipped Classroom-Ansatz. Ausgangspunkt der Planung beim Einsatz digitaler Medien muss immer die Frage sein: Was will ich mit der digitalen Technik an meiner Schule, im Unterricht in meinem Fach, bei meinen Schülern denn eigentlich erreichen? Und welche Szenarien sind jeweils tatsächlich erfolgsversprechend, beziehungsweise welche Voraussetzungen muss ich beachten, wenn ich digitale Medien intensiver in den Unterricht an meiner Schule integrieren möchte? Wenn digitale Medien als Teil der Schul- und Unterrichtsentwicklung konsequent mitgedacht werden, ergibt sich das jeweilige Einsatzszenario dann ganz automatisch.

In Baden-Württemberg gibt es eine lange Tradition von Bildungsplattformen (z.B. SESAM). Was ist das Neue beim Aufbau der nun angekündigten landesweiten digitalen Bildungsplattform?

Mit der digitalen Bildungsplattform, die auf der LEARNTEC vorgestellt werden soll, wollen wir die Schulen im Land dabei unterstützen, digitale Medien im Lehr- und Lernprozess rechtssicher und komfortabel zu nutzen. Über die Plattform werden verschiedene neue Funktionen bereitgestellt und bestehende Angebote - wie etwa SESAM - integriert. Neben einer Mail- und Kalenderfunktion für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler zählen zum Startpaket ein sicherer Cloudspeicher, ein Online-Office-Paket sowie eine Videokonferenzfunktion. Für die Unterrichtsgestaltung ist das Lernmanagementsystem Moodle integriert, das mit der Erweiterung DAKORA in verschiedenen Bereichen an die Bedürfnisse von Lehrkräften und die Erfordernisse des Unterrichts angepasst wurde. Bildungsmedien werden über die bereits erwähnte Mediathek des Landesmedienzentrums SESAM 2.0 in der Plattform bereitgestellt. Die Plattform wird modular aufgebaut sein, so dass in Zukunft weitere Dienste eingebunden werden können. Ein zentrales Identitätsmanagement steuert die Zugriffsberechtigungen auf der Plattform und ermöglicht es, dass Lehrkräfte sowohl innerhalb ihrer Schule als auch landesweit mit Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten und sich austauschen können. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, innerhalb ihrer Schule zu kommunizieren und mit ihren Lehrerinnen und Lehrern digital zusammenzuarbeiten. Die Einführungsphase für die neue Bildungsplattform soll zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2017/18 starten.

Medienpädagogik

Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg beteiligt sich mit folgenden Beiträgen am Programm des Forums school@LEARNTEC:

30.01.2018 : 10.00 - 13.00 Uhr Digitale Bildungsplattform für Schulen in Baden-Württemberg (Michael Zieher – Leiter Referat Medienbildung, digitale Bildung)

31.01.2018: 10.00 - 13.00 Uhr Digitalisierungsstrategie für Schulen in Baden-Württemberg (Dörte Conradi, Leiterin der Abteilung Grundsatz, Digitalisierung; Michael Zieher – Leiter Referat Medienbildung, digitale Bildung)

Teilnahme an der Diskussionsrunde am 01.02.2018 von 13.00 bis 14.00 Uhr Schulentwicklung im 21. Jahrhundert – Wie bildet sich eine Gesellschaft? (Michael Zieher – Leiter Referat Medienbildung, digitale Bildung; außerdem Georg Eble, Gemeindeverwaltung Wutöschingen und Bernhard Meffert, Raiffeisen-Campus)

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