03.01.2020

In Umschulung bekommt Deutschland nur Note 6

Auch wenn die langfristigen Auswirkungen des globalen digitalen Wandels auf den Arbeitsmarkt nicht ganz absehbar sind, so werden in den kommenden Jahren sicher neue Jobs mit neuen Anforderungen entstehen.

© Boston Consulting

Eine international ausgelegte Studie hat untersucht, wie sich die Menschen weltweit darauf vorbereiten.

Über 366.000 Teilnehmer aus 197 Nationen haben die Umfrage für die Arbeitsmarktstudie Decoding Global Trends in Upskilling and Reskilling beantwortet, die von der Online-Jobplattform StepStone, der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) und dem globalen Jobbörsennetzwerk The Network durchgeführt wurde. Mehr als 17.000 der Teilnehmer kommen aus Deutschland.

Das Ergebnis der Studie aus der BCG-Serie Decoding Global Talent offenbart, dass deutsche Arbeitnehmer im globalen Vergleich sehr zögerlich bei Umschulungen sind: Nur 38 % der Deutschen investieren aktuell regelmäßig Zeit in Weiterbildung – das ist der niedrigste Wert des gesamten Befragungsspektrums. Weltweit sind es durchschnittlich 65 %. Dabei erwarten im internationalen Vergleich ausgerechnet die Deutschen angesichts der zunehmenden Globalisierung und Automatisierung große Veränderungen für ihren aktuellen Job. Während weltweit im Schnitt 49 % aller Befragten durch neue Technologien große Veränderungen für ihren Job vorhersehen, sind es in Deutschland ganze 55 %.

„Ein Teil der Arbeitnehmer in Deutschland ist offen dafür, sich beruflich komplett neu zu orientieren – das ist ein gutes Zeichen“, sagt Rainer Strack, Senior Partner bei BCG. „Dass es aber nur 53 % sind, ist alarmierend. Weltweit sind im Schnitt zwei Drittel bereit, neue Fähigkeiten für einen komplett anderen Job zu erlernen. Damit liegt Deutschland unter den letzten 10 % der Länder.“ Mit anderen Worten: Deutsche Arbeitnehmer gehören zur Gruppe der „Zögernden“, also zu denjenigen, die große Veränderungen erwarten, aber noch nicht viel tun, um sich darauf vorzubereiten.

Daneben identifiziert die Studie „Beobachter“ (eine Gruppe, die zwar aktuell wenig Weiterbildung betreibt, aber auch nur geringe Auswirkungen der digitalen Megatrends erwartet), die „intrinsisch Lernenden“ (viel Weiterbildung, geringe Auswirkungen) sowie die „proaktiven Veränderer“ (viel Weiterbildung, große Auswirkungen), zu denen Länder wie Japan gehören.

In Deutschland gibt es allerdings große Unterschiede zwischen einzelnen Berufsgruppen: Arbeitnehmer aus dem Dienstleistungssektor sind eher offen für einen neuen Job und eine damit verbundene Umschulung (62 %). Im Gesundheitssektor zeigt dagegen nicht einmal jeder Zweite (45 %) diese Bereitschaft. „Die Digitalisierung wird viele standardisierte Tätigkeiten ersetzen, schafft aber gleichzeitig neue, oft anspruchsvolle Jobprofile, deren Anforderungen sich stetig weiter verändern werden“, betont StepStone-Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers. „Der Bedarf an Fachkräften kann nicht allein durch die Rekrutierung von Spezialisten gedeckt werden. Dieser Veränderungsprozess wird nur gelingen, wenn Mitarbeiter bereit sind, Neues zu lernen und von Unternehmen darin aktiv unterstützt werden.“

In einem Punkt aber sind sich alle Arbeitnehmer länderübergreifend einig: Um die Anforderungen von Globalisierung und Automatisierung erfolgreich zu meistern, sind Kommunikationsfähigkeiten die wichtigsten Kompetenzen, die Fachkräfte künftig mitbringen müssen. Nach Einschätzung der Deutschen werden sich diejenigen behaupten können, die zudem Problemlösungsfähigkeiten, Führungskompetenz und analytische Fähigkeiten besitzen.

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