18.12.2017

Lernort virtueller ICE: VR bei der Deutschen Bahn

Vier Minuten Zeit hat ein Zugbegleiter des neuen ICE 4, um den Hublift für Rollstuhlfahrer auszufahren, den Fahrgast ein- oder aussteigen zu lassen und den Lift wieder einzuklappen.

Er erlernt dies nach einer Praxiseinweisung auch im virtuellen Raum, da die Übungszeiten am realen Zug knapp sind: Ein Zug ist täglich mehr als 1000 km unterwegs, Stillstand ist teuer.

Darüber – sowie über die anderen VR-Trainingsprojekte der Deutschen Bahn – spricht Martin Respondek am 30. Januar auf dem Kongress der LEARNTEC. Respondek ist IT-Berater und „Intrapreneur“ bei der DB Systel, dem IT-Dienstleister der DB: Sein EVE-Team (Engaging Virtual Education) hat die Idee für VR-Trainings vor dem internen Management gepitcht und funktioniert seitdem wie ein Startup. Einen ersten Erfolg erzielte das Team mit dem Hublifttraining, das es Anfang des Jahres mit dem DB Fernverkehr Bordservice entwickelte.

VR wird auch bei der Deutschen Bahn eingesetzt

Die Trainees arbeiten mit VR-Brillen am virtuellen Zug: Sie holen sich die Vierkantschlüssel aus dem Gürtel, drehen Schrauben los und fest, legen Hebel um und klappen Verblendungen auf und zu. Nach diesem Vortraining schaffen sie es am realen Zug schneller den Hublift zu bedienen. Bis Ende des kommenden Jahres sollen alle 4000 Mitarbeiter des Bordservices am virtuellen Rollstuhllift ausgebildet werden.

Respondek: „Der technische Fortschritt hat uns genutzt: Im letzten Jahr sind die VR-Systeme im Konsummarkt angekommen. Die Hardware ist erschwinglich und viel leistungsfähiger als früher. Die VR-Software kann das Learning by doing heute perfekt simulieren: Sie integriert die Bewegungen des Nutzers in Echtzeit in die virtuelle 3D-Welt, der Lerner nimmt sie als natürlich wahr und kann sich ganz auf seine Aufgabe konzentrieren.“

VR-Trainings sind bisher noch selten. Eher bekannt ist die Verwendung von VR durch Autofirmen, die sie bei der Planung von Fahrzeugen einsetzen oder Kunden zu einem virtuellen Einstieg in ihre Autos einladen. Respondek sieht jedoch ein großes Einsatzpotenzial, vor allem dort, wo das Lernen am konkreten Objekt stark eingeschränkt ist: „Schienenfahrzeug-Elektroniker oder -Mechaniker müssen sich sehr genau mit verschiedenen Bauteilen rund um den Stromabnehmer auskennen. Die Schaltzentralen sind aber im Dachbereich der Triebwagen untergebracht und in der Regel nur in einem Werk und mit Aufwand zugänglich. Für reale Trainingszüge müsste man Bühnen für den Zugang bereitstellen und den Strom ausschalten – den Stromfluss könnte man nicht zeigen. Hier sind virtuelle Einweisungen die Lösung – und werden derzeit entwickelt.“ Ähnliches gilt für das Verhalten bei Störfällen oder das An- und Abkuppeln von Zügen.

Respondeks EVE-Team hofft, dass in Zukunft jedes DB-Trainingszentrums mit VR-Systemen ausgestattet wird. Trainer-Apps und Tablet-Programme, die die Lerner mit nach Hause nehmen können, sollen die VR-Anwendungen ergänzen. Respondek wird in seiner Präsentation auch auf die Lessons Learned seines Teams – Stichworte: Usability und Akzeptanz – und die Koordination mit betrieblichen Gremien und Arbeitnehmervertretungen eingehen. Einen Einblick in seine Arbeit liefert dieses Video

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