15.11.2017

Künstliche Intelligenz in analogen Lernräumen: Die ersten Projekte laufen

Künstliche Intelligenz denkt mit. Online-Lerner bekommen individuelle Lerntipps, werden an die Erledigung von Aufgaben erinnert und erhalten Warnungen vor schlechten Bewertungen – alles automatisiert. Beim digitalen Lernen ist das nicht ungewöhnlich.

Aber auch Schulzimmer, Seminarräume und der Arbeitsplatz können zu KI-basierten Lernumgebungen werden, sagt Dr. Carsten Ullrich vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Die ersten Projekte für Künstliche Intelligenz in analogen Lernräumen laufen

„Die Analyse von Lerndaten ist mittlerweile weit fortgeschritten. Die Klick-Interaktion mit dem Lernsystem zeigt Bildungsanbietern, welche Lernbausteine Lerner motivieren oder nicht und wo sie die meisten oder wenigsten Fortschritte machen. Durch den Abgleich mit Daten aus vergangenen Trainings entstehen Prognosen über die Erfolgschancen der Lernenden und Hinweise für Dozenten, wie sie unterstützend eingreifen können. Diese Möglichkeiten von Learning Analytics werden in den USA bereits häufig genutzt. Ebenfalls erfolgreich sind dort intelligente Tutorensysteme für Mathematik“, erklärt Ullrich.

Menschen lernen allerdings vor allem in der Realität. Auch da ist die automatische Erhebung und Auswertung von Lerndaten möglich, aber noch kaum verbreitet. Mittlerweile liegen jedoch erste Erfahrungen vor. Ein spektakuläres Schulprojekt läuft derzeit in Shanghai: In 5000 Klassenräumen sind Kameras installiert, die das Geschehen beobachten. Die Lehrer erfahren in Echtzeit, wann bei welchem Schüler die Aufmerksamkeit nachlässt. Die Eltern der Schüler erhalten regelmäßig einen Bericht über das Unterrichtsverhalten ihrer Kinder auf Grundlage der erfassten Daten.

Im betrieblichen Bereich wurden im Projekt APPsist, mit der Firma Festo als einer der Projektpartner, Assistenzsysteme für die „Smart Production“ entwickelt. Sensoren der Produktionsanlage werden verwendet, um abzuleiten wie Mitarbeiter Maschinen bedienten. Die darauf basierenden Expertiseprofile waren die Grundlage für individualisierte Unterstützungsangebote. Das System läuft heute im Festo-Werk in Sankt Ingbert im Regelbetrieb und befähigt an- und ungelernte Kräfte, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten durchzuführen, für die sie eigentlich nicht qualifiziert sind.

Ullrich: „Angesichts der Menge und der Geschwindigkeit der technischen Neuerungen ist der Bedarf an KI-basierten Weiterbildungsangeboten am Arbeitsplatz extrem hoch. Wichtig ist die rechtzeitige Einbindung aller Stakeholder: Wir dürfen nicht nur auf die Technik schauen und die Organisation bzw. die Menschen außer Acht lassen. Was passiert mit den erhobenen Daten und wer darf auf sie zugreifen? Wie verändert sich die Arbeitsorganisation? Welche technischen Kompetenzen müssen Mitarbeiter erwerben um von smarten Lernangeboten zu profitieren? Alle diese Fragen sind zu klären.“

Ullrich moderiert die Sektion „Innovatives Lerndesign“ am 1. Februar 2018 auf dem Kongress der LEARNTEC und eröffnet sie mit einem Vortrag zu „Künstlicher Intelligenz in digitalen und analogen Bildungsräumen“.

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