10.10.2017

Im Gespräch: Georg Eble, Bürgermeister der Gemeinde Wutöschingen

Die Gemeinde Wutöschingen, nahe der Schweizer Grenze, etwa eineinhalb Autostunden südlich von Freiburg erlebt seit einigen Monaten ungewöhnlich viele Besucher, die aus dem ganzen Bundesgebiet anreisen. Ihr Ziel: die Alemannenschule Wutöschingen.

Die Gemeinschaftsschule hat mit (fast) allem gebrochen, was typischerweise mit einer allgemein bildenden Schule in Zusammenhang gebracht wird, nachzulesen und zu sehen auf der Homepage: www.alemannenschule-wutoeschingen.de

Georg Eble ist Bürgermeister der Gemeinde Wutöschingen. Im Rahmen des Forums school@LEARNTEC wird er am Do., den 01.02.2018 an der Diskussionsrunde "Schulentwicklung im 21. Jahrhundert – Wie bildet sich eine Gesellschaft teilnehmen." Vorab hat er uns erzählt, wie es zum Konzept der Alemannenschule kam:

Wir betrachten uns als Wirtschaftsstandort, vor allem Aluminiumindustrie, mit Tourismus haben wir gar nichts am Hut. Aber dieser Wirtschaftsstandort funktioniert nur, wenn wir auch eine Bildungseinrichtung haben, die vernünftig arbeitet. Und für uns war natürlich auch das Thema Demografie ganz wichtig, diese Abwärtsspirale mit zurückgehenden Einwohnerzahlen aufhalten zu können und attraktiv zu sein für Zuzüge. Und da haben wir uns auf den Weg gemacht und gefragt: Wie können wir unseren Schulstandort retten? Das war ein langer Prozess über mehrere Jahre, am Ende haben wir den Zuschlag bekommen als Starterschule bei der Einführung der Gemeinschaftsschule. Bei uns gab es die Idealkonstellation, dass alle das wollten, der Gemeinderat war einstimmig dafür, obwohl es ein absolutes Abenteuer war am Anfang. Bis heute ist es ein Abenteuer.

Wir waren nicht ganz ohne Unterstützung, das Ehepaar Doris und Peter Fratton haben die Landesregierung bei der Einführung der Gemeinschaftsschule und so auch uns beraten. Die kamen dann zu uns und sind dann bei uns durch den Ort gelaufen anschließend und haben dann vom Lerndorf Wutöschingen geredet. Da habe ich gedacht: „Was reden die für einen Blödsinn? Lerndorf, was soll denn das sein?“

Und dann kam der Sitzungssaal ins Gespräch, der immer leer steht, und lediglich alle drei Wochen zwei Stunden vom Gemeinderat benutzt wird. Dort findet jetzt Clubunterricht statt. Und den leerstehenden Raum, wo ehemals die Bücherei drin war, den nutzt heute die Bläser-Klasse. Dann wurden die Lernhäuser umgebaut. Und dann stand der Neubau des weißen Lernhauses an, indem wir 240 Kinder unterbringen mussten – unter hohem Druck, wir wussten ja, das alle Lernhäuser voll sind … wir waren bei acht Millionen Investment. Ich hab dann gesagt: ‚Wir können uns das schlichtweg nicht leisten, fünf Millionen, mehr können wir uns nicht aus der Rippe schneiden.‘ Eine Woche vor Abgabeschluss von unserem Zuschussantrag waren wir da unten gesessen in unserem Trauzimmer, also dem kleinen Besprechungszimmer. Auf jeden Fall wir waren immer noch bei acht Millionen. Riesen Baukörper, ewig lang. Und ich bin dann richtig zornig geworden – klar, der Druck war ja da. Im August, ein Jahr später, müssen wir einziehen können, … und wir waren immer noch bei acht Millionen. Da bin ich aufgestanden und bin raus und habe gesagt: ‚Also diesen Affenstall, das mache ich nicht mehr mit.‘ bin also laut geworden, einfach weil der Druck so groß war. Und dann kam ich so etwa nach zehn Minuten wieder zurück. Und dann sagt die Frau Fratton: ‚Ich war schon an der Schule drüben und die haben irgendwas von Hühnerstall geredet und Sie jetzt von Affenstall. Und, jetzt weiß ich, wie wir das machen …‘ Und so ist das Konzept für unseren Neubau entstanden. Über diese zwei Worte: Affenstall und Hühnerstall. Hühner sitzen übereinander und dann haben wir das Gebäude in die Höhe gebaut. Das ist natürlich von der Investition her deutlich günstiger wie diese riesen Dimensionierung, die wir gehabt hätten in der Fläche. So ist das zustande gekommen. Und so haben wir dann diese Schule nach dem Konzept dann gebaut.

Treffen Sie Georg Eble auf der LEARNTEC und erfahren Sie, wie es mit der Alemannenschule weiterging und weitergehen wird!

Autor: Jürgen Luga, Redaktionsbüro Education Mediengesellschaft mbH